Interview mit Vladimir Dubossarsky

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Zeitgenössische Kunst – eine Denkweise, Dekoration oder ein Selbstausdruck? Westwing traf den berühmten russischen Künstler Vladimir Dubossarsky und stellte ihm Fragen über seine Arbeit und Pläne für die Zukunft.

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1. Was waren die ersten Schritte in Ihrer Künstler-Karriere?

„Ich bin schon seit meiner Kindheit mit der Kunst-Welt vertraut und unter Künstlern aufgewachsen. Ich folgte dem traditionellen Weg, lernte schon viel über Kunst im Atelier meines Vaters und studierte dann an einer Kunstschule und einer Kunstakademie.“

2. Wie entstand Ihr kreatives Duo mit Alexander Vinogradov?

„Sasha (Kurzname für Alexander in Russisch) und ich haben von 1994 bis 2014 zusammengearbeitet. Wir besuchten die gleiche Kunstschule und kennen uns seit  unserem 15. Lebensjahr. Wir sind zusammen aufgewachsen und bewegten uns in den gleichen Kreisen, arbeiteten aber lange unabhängig voneinander. Die Zusammenarbeit begann mit einem privaten Projekt von Sasha.“

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„Sasha und ich haben gerne zusammengearbeitet aber wir hätten nie gedacht, dass es 20 Jahre andauert.”

3. Vladimir Dubossarsky, wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

„Ich bin ein moderner Künstler, ohne speziellen Stil. Bei Sashas und meiner Arbeit war der wichtigste Stil die Postmoderne, eine Kombination aus anderen Stilen. In unserem Fall war es ein Mix aus sozialistischem Realismus und Pop-Art. Das  Projekts sollte den zu Sowjet-Zeiten beliebten sozialistischen Realismus wiederbeleben, hervorheben und die sowjetische Ideologie gegen die zeitgenössische Pop- und Trash-Ideologie ersetzen.“

4. Wie wählen Sie die Themen für Ihre Werke?

„Wir wählen sie nicht, sie wählen uns. Ein Künstler ist ein Werkzeug und das muss geschärft werden. Er sollte offen bleiben; er sieht, was in der Welt geschieht. Wir arbeiteten immer mit Urformen, mit typisch sowjetischen, russischen und amerikanischen Klischees und Mustern. In unseren Bildern findet man Humor, Lyrik und Zynismus. Das Thema spielt keine große Rolle.“

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„Früher machte ich, neben der Malerei, auch andere Kunst, wie Performance-Kunst und Grafiken“.

5. Wie lange dauert es, ein Werk zu schaffen?

„Das hängt ganz vom Werkes ab. Mit Sasha arbeitete ich so schnell wie möglich. Die Geschwindigkeit war ein Teil unseres Projektes. Wir wollten nie die perfekte Qualität zu erreichen.
Die Urgent Painting Ausstellung in Paris war die Antwort: Malerei, als älteste Art der Kunst, erfordert neue Motivation. Unser Gemälde, mit aktuellen und relevanten Themen, waren eine Dokumentation in Bezug auf Geschwindigkeit.“

6. Was denken Sie hat Ihnen zum Erfolg verholfen?

„Zwei Dinge. Erstens: Wir haben hart gearbeitet. Zweitens: Wir hatten Glück.“

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„Moderne Technologien heute erlauben jedem interessante visuelle Inhalte zu erstellen. Ein Künstler entscheidet, wie er das Material verarbeitet.“

7. Was sind Ihre kreativen Pläne für die Zukunft?

„Ab dem 21. April habe ich eine Ausstellung in Moskau — “Facebook shows and tells” — inspiriert von Fotos von Facebook-Freunden. Die Gemälde der Ausstellung sind von Aufnahmen von Menschenstimmen umgeben, die meine Arbeit auf Facebook, Urheberrecht und Informationsfreiheit diskutieren. Ich habe sechs Facebook-Freunde eingeladen, die bestimmte Charaktere darstellen. Einige spielen sich selbst, andere schlüpfen in eine Rolle. Ein junges Mädchen am Eingang wird Selfies mit den Gästen machen, die dann auf einem großen Bildschirm gezeigt werden.“

Fotos: Vladimir Dubossarsky, ART LIMITED

Sandra Kehrle

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