Weihnachten im Boho-Chic

„Eine Wohnung braucht Humor – sie darf sich selbst nicht zu ernst nehmen!“, findet Christel Ruckdeschel (1), während sie sich in ihrem Wohnzimmer in München umsieht: Hier vereint sich strahlendes Türkis mit Senfgelb, knallige Musterprints strahlen mit bunten Asia-Vasen um die Wette und die Deko muss vor allem eines: Spaß machen! So hängen zum Beispiel witzige „Jagd-Trophäen“ wie der Elefant und Hirsch aus Stoff über dem Sofa (3) und die Holzbank trägt zum Schonen des Parketts statt drögen Filzgleitern kleine Socken an den Beinen. Nach vielen Jahren im Ausland ist die 32-jährige Christel mit ihrem Hund Oskar (2) nach München zurückgekehrt und hat ihnen hier ein farbenfrohes und sehr gemütliches Heim geschaffen.

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Less is more? Less is a bore: Christel mag keinen Minimalismus oder spiegelglatte Oberflächen – sie braucht Materialien mit Struktur, außergewöhnliche Stoffe, Stilbrüche, aufregende Mustermixe, Farbexplosionen und Deko-Stücke mit Humor und Charme, um sich wohlzufühlen. „Würde ich als Interior Designer wiedergeboren werden, dann bitte als Jonathan Adler“ sagt Christel und lacht. In bekannter Adler-Manier lässt sie deshalb im Herzstück ihrer Wohnung, im gemütlichen Wohnzimmer, auch Knallfarben wie Türkis (Couch) und Senfgelb (Couchtisch) aufeinander treffen. Sie dekoriert dazu Alpaka-Fellkissen in sanftem Camel und Kissen mit Affenprints sowie eine weiße Kuscheldecke aus Strick. Die neutrale Wand im Hintergrund sorgt für einen Ausgleich. Warum alles zusammenpasst? Ihr Tipp: Christel mixt nie mehr als drei Muster. Hier kombiniert sie außerdem geometrische Formen wie Rechteck (Teppich), Quadrat (Couchtisch) und Kreis (Pouf) miteinander. Die klaren Formen mildern die Muster ab. Außerdem kommt die Farbe Gelb in jedem der drei Stücke vor – ein wichtiges, verbindendes Element (1).

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Dank ihrer asiatischen Mama und ihres oberfränkischen Papas vereint Christel beim Interior Einflüsse aus zwei Kulturen und Inspirationen ihrer vielen verschiedenen Wohnorte (7). Bis sie sieben Jahre alt war, wuchs sie in Asien zwischen Hongkong, Singapur und der Heimat ihrer Mutter, den Philippinen, auf. Dann ging es zurück nach München und mit 15 Jahren zog sie nach England, um dort ein Internat zu besuchen. Nach einer vernunftgetriebenen Banklehre in München, beschloss sie, ihrer wahren Leidenschaft nachzugehen und studierte in London Malerei und Keramik. Anschließend arbeitete sie dort als Portraitmalerin, lebte dann lange in Paris und Zürich, wo sie professionell als Interior Designerin tätig war, bevor sie wieder nach Bayern zurückkehrte.

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„Uns gibt es nur im Doppelpack!“, sagt Christel. Gemeint ist natürlich Oskar. Die französische Bulldogge ist zuckersüß, acht Jahre alt und begleitet Christel um den Globus. Oskar liebt nicht nur seine eigenen Pullover für den Winter, weil er sonst beim Spazierengehen friert, sondern auch sein Hundebett, das Christel selbst für ihn entworfen und den Bezug genäht hat (2). Allerdings hält es ihn nicht davon ab, es sich auf der Couch gemütlich zu machen. Christels Tipp für hundefreundliches Interior mit Style: „Aus Samt gehen Oscis Sabberflecken problemlos wieder raus!“

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Christel liebt Tiere im Allgemeinen und lässt sie in ihrer Wohnung immer wieder auftauchen. So findet man etwa eine Leuchte in Form eines Häschens, Kissen mit Affenprints oder edle Gläser und Karaffen mit Elefanten-Relief (4). Anstatt eines Flatscreens gegenüber der Couch, findet man bei Christel übrigens Kunst! Sitzt man auf dem Sofa, blickt man auf ihre eigenen Werke. Christels Tipp: Bilder müssen nicht unbedingt gerahmt und aufgehängt werden. Besonders bei größeren Bildern ist es besonders schön, sie einfach nur an die Wand zu lehnen. Sie hat ihre selbstgemalten Bilder auf das kleine Bücherregal gestellt und sie an die Wand gelehnt. Vor den Bildern stehen ganz casual Kerzenhalter, Lampen und Bücher (9).

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Individualität ist Christel wichtig: Sie mixt Designersachen mit günstigen Stücken, die sie selbst zu ganz besonderen Pieces verwandelt, indem sie ihnen zum Beispiel eigene Bezüge näht. Dazwischen streut sie Unikate, wie ihren rustikalen Esstisch und die passende Bank, die ein Freund extra für sie angefertigt hat (8). Das Holz dafür stammt von einer ehemaligen Kuhstalltür. Den Eisenbeinen der Bank hat sie kleine Söckchen als Schoner angezogen, damit das Parkett keine Kratzer bekommt. Sie liebt es, auf Flohmärkte zu gehen, um sich dort „Schmankerl zusammenzusuchen“ wie ihre beiden kleinen Hocker aus dunklem Holz in Form von Händen, die sie in Paris fand (5 und 6). Ein bunter Mix, der einen sofort begeistert und wunderbar ineinander spielt. Sie mag knallige Farben, natürliche Materialien, die „organisch gewachsen sind und somit ihr eigenes Leben beibehalten“ wie die Alpaka-Fellkissen auf dem Sofa (1).

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Ein neues Leben schenkt Christel auch ihren aussortierten Sachen. Anstatt alten Schmuck gleich wegzuwerfen, haucht Christel ihnen lieber neues Leben ein und zweckentfremdet sie: Halsketten, die sie nicht mehr trägt, halten jetzt ihre Vorhänge zurück (13).

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Für Weihnachten dekoriert Christel eine große Silberschale mit Teelichtern und unterschiedlich großen Weihnachtskugeln in verschiedenen Metallic-Tönen. Die wirken im Kerzenschein besonders stimmungsvoll. Um die Schale herum legt sie Tannenzweige und schmückt sie ebenfalls mit kleineren Kugeln (10). Auf einen Tannenbaum verzichtet Christel und schmückt hingegen ihre geliebte Palme, die genau zwischen Sofa und Essbereich platziert ist und für eine kleine, unaufdringliche Abgrenzung sorgt (11). In der Heimat ihrer Mutter, den Philippinen, schmückt man die Palmen zu Weihnachten mit Papiergirlanden. Auch Christel hat Papiersterne gebastelt und sie mit Kugeln mit bunten Vogelmotiven kombiniert (12). Tiere ziehen sich also nicht nur durch ihre gesamte Wohnung, sondern finden sich sogar auf dem Weihnachtsschmuck wieder.

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Unter der großen Palme liegen kleine, geflochtene Boxen in verschiedenen Größen aber mit dem gleichen Muster. Anstatt sie in Geschenkpapier und Schleifen zu verpacken, versteckt Christel ihre Präsente in den bunten Schachteln. Das ist unkompliziert und umweltfreundlich zugleich (11). Anstelle eines typischen Adventskranzes wählt sie große Kerzenhalter in verschiedenen Formen und Farben und bestückt sie mit dicken, weißen Kerzen. Besonders toll kommen sie auf dem rustikalen Holztisch zur Geltung (18).

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Dass Christel in ihrem Kleiderschrank schläft, ist für sie eigentlich selbstverständlich, da sie Mode genau wie Interior Design liebt und sie zu ihren großen Inspirationsquellen zählt (14). „Deshalb habe ich Schlafzimmer und Schrank miteinander verschmolzen.“ Die Wand hinter ihrem Bett hat sie in beruhigendem Schokobraun gestrichen, ein Bild in warmem Gold über dem Bett aufgehängt und auch die Bettwäsche in beruhigendem Blau gewählt und mit einigen weißen Akzenten wie den kuscheligen Kissen kombiniert (15). Damit auch ein offener Kleiderschrank in dem man schläft, im Raum funktioniert, ist es wichtig, dass dieser gut sortiert (bei Christel nach Farben) und aufgeräumt ist.

 

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Ihr absolutes Lieblingsstück in der Wohnung ruht neben ihr auf dem Nachttisch: ein Buddha, den sie von ihrem Vater zum 30. Geburtstag geschenkt bekommen hat. So wird auch der Flur einer Wohnung individueller und persönlicher: Auf ihrer Kommode sammelt die Künstlerin kleine Erinnerungsstücke, Postkarten und gerahmte Lieblingsbilder. Passend zur Weihnachtszeit schmückt sie eine große Silberschale mit Christbaumkugeln in verschiedenen Größen, Teelichtern und Tannenzapfen (16). Auch in der Küche macht Christel keine Ausnahme. Hier findet sich ihr Stil ebenfalls wieder und das bedeutet: Muster, Knallfarben und eine Prise Humor. Sie strich die Wand in knalligem Türkis und machte ihre Frühstücksecke mit der Lampe in Hundeform – natürlich eine Hommage an Oskar – perfekt! Die Polster der beiden Hocker zieren mit filigrane Blumenprints in gedeckten Farben, die die weiße Tischplatte komplementieren (17).

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Dass sich die Persönlichkeit ihrer Bewohner in einer Wohnung wiederspiegeln sollte, ist für Christel, die bald wieder als Interior Designerin arbeiten wird und gerade ihr eigenes Interior-Büro „Feng Chic“ aufbaut, besonders wichtig. Zum Glück, denn so ist die Wohnung genau wie Christel und Oskar selbst: warmherzig, einladend und herrlich entspannt (18)!

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Teresa Mayer

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