Berliner Wunderkammer

„Wer Angst vor Farben hat, hat Angst vor dem Leben“, lacht Martin Schmieder. Wer sich in der gemeinsamen Wohnung von ihm und Freund Florian Dengler umsieht, erkennt sofort, dass hier Einflüsse verschmelzen, die sich sonst nicht unbedingt begegnen. Martin hat die 140-Quadratmeter im Stadtteil Prenzlauer Berg nach seinem Motto eingerichtet: „Weniger ist nie mehr“.

Martin Schmieder

Hier vermischen sich Leidenschaft, Verspieltheit und eine große Portion Humor zu einer unvergleichlichen, bunten Wunderkammer, die so faszinierend wie entdeckungsreich ist. Wer die Wohnung betritt, wird nicht nur von der positiven Atmosphäre, die dort herrscht umhüllt, sondern begibt sich auf eine kleine Reise durch Martins und Florians Wunderland. Hier trifft Popkultur auf Skurriles und Kunst von Florian auf Spielzeug aus Martins Kindheit. All das formt sich zu einem Sammelsurium der schönen Dinge, das mit großer Detailverliebtheit zu dem geworden ist, was es ausmacht: Ein fröhliches Zuhause mit einzigartigem Interior, dessen bunte Farben gute Laune machen.

Berliner Wunderkammer
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Martin, der zum Management der PR-Firma press factory gehört, zog bei Florian ein, als der freie Illustrator und Creative Consultant gerade für ein paar Wochen in San Francisco war. Als er nach vier Wochen in seine Wohnung zurückkam, erkannte er sie nicht wieder: Martin hatte ohne sein Wissen „gezaubert“, die Wände Violett und Gelb gestrichen, Porzellantiere von Jonathan Adler aufgestellt, exquisite Teedosen nach Farben sortiert, einen antiken Holztisch mit Philippe Starcks Ghost Chairs kombiniert und so aus den cleanen Räumen eine Art Spielwiese gemacht – Stilmix deluxe sozusagen.

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Martins Tipp: „Das erste was ich mache, nachdem ich in eine neue Wohnung ziehe? Ich schicke die Einladung für die Einweihungsparty an Freunde raus. Meine Deadline nach dem Einzug beträgt immer genau vier Wochen. Bis dahin muss alles perfekt sein – so dass die Party stattfinden kann.“ Das Wohn- und Esszimmer gehen ineinander über und die gemütliche Couchecke wird von der Fensterfront der Terrasse mit Licht durchflutet und bringt die Farben zum Leuchten.

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Der Alice im Wunderland-Charme zieht sich auch hier durch den Raum: Füchse, Vögel, Rehe, Bären oder Flamingos leben in stilistischer Eintracht – vom schillernden, pinken Flamingo bis zum edlen Fuchs aus weißem Biskuitporzellan.

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Über der grauen Couch hängen, genauso wie in der Küche, auf Acrylglas bedruckten Fotografien aus dem Naturkundemuseum in New York. Ein Eames-Schaukelstuhl im Farbton „Ocean Blue“ setzt einen coolen Kontrast zur grauen Couch und der unaufdringlichen Wandfarbe „Elephant’s Breath.“ Sein Stylingtipp: Probieren, probieren, probieren! Für besondere Farbakzente sorgen die Schachteln, die Martin verschieden kombiniert hat und mit kleinen Windlichtern in Ananas-Form gestylt hat. Die große Tafel, an der Martin und Florian sonst zu entspannten Dinnerparties einladen, stand zuletzt bei der TV-Koch-Serie „Das perfekte Dinner“ im Mittelpunkt, zu dem Martin Florian anmeldete. Ist die Tafel eingedeckt, stylt Martin sie mit bunten Gläsern in Regenbogenmanier und dekoriert darin bunte Blumen. Schönste Idee: Die Restaurantrechnung ihres ersten Dates (es gab Steak und Wein) habe die beiden vergrößern und dann rahmen lassen. Jetzt hängt sie neben dem Esstisch.

Berliner Wunderkammer
Berliner Wunderkammer

Auch die Küche ist lichtdurchflutet. Den Tisch hat Martin in seiner bayerischen Heimat gekauft, in einem Antiquitätengeschäft am Tegernsee. Die lindgrüne Farbe macht ihn besonders charmant. Cool: Martin kombiniert den rustikalen Holztisch mit Philippe Starcks Ghost Chairs aus Acryl und beweist, dieser Stilmix funktioniert so gut, dass er genauso cool wie gemütlich aussieht.

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Berliner Wunderkammer

Auf dem Buffetschrank mit der blauen abgesplitterten Farbe wachen Papageien aus Porzellan über Geschirr. Auf einem anderen Buffetschrank sammelt Martin Teedosen. Daneben ist ein ganz besonderes Poster zu sehen: Entworfen von Florian, zeigt es das Menü, das er bei „Das perfekten Dinner“, zu dem ihn Martin heimlich anmeldete, kochte.

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Auch das Arbeitszimmer ist bunt: Hier ist Florians kreative Ecke. Auf dem alten Schreibtisch beherbergt er Dinge wie ein Globus, Erinnerungsstücke, Illustrationen und gerahmte Fotos. Auf dem Tisch gibt es ebenfalls einen kleinen Zoo zu besichtigen – von einer Pudellampe bis zu einer Vogelspinne hinter Glas.

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Kleine Ecken, wie Beistelltische oder der Kommode im Flur, sehen bei den beiden aus wie zauberhafte Stillleben. Auf dem Beistelltisch neben dem Schreibtisch thront ein kleiner Mops unter einer Cloche aus Glas neben einer Libelle und Jonathan Adlers Porzellanfuchs.
In der Wohnung von Florian und Martin gibt es keine Regeln – und genau das scheint die Regel zu sein. Martin, der großer Bewunderer von Jonathan Adler ist, orientiert sich einfach nach dessen Credo: Embrace what you love! Die beiden sind vor allem eins: Liebhaber der zauberhaften, kleinen Dinge – von schön bis skurril, von sonderbar bis kostbar. Ob ausgestopfte Kugelfische oder Schmetterlinge und Spinnen in Schaukästen bis zu Figuren und Stofftieren aus der Kindheit – all das wird miteinander kombiniert. Eine Wohnung mit zahlreichen Schätzen, die trotzdem ein sehr stimmiges Bild bietet und dank Martins Gespür wunderbar funktioniert. „Ich lebe nach keinem Modediktat – genauso wenig lebe ich nach einem Interiordiktat“, lacht Martin. Warum auch?

Fotos: Ruben Jacob Fees für Westwing

Teresa Mayer

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