Too Good To Go gerettetes Obst und Gemüse

Sustainability oder auch auf deutsch Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Es ist das große Thema unserer Zeit. Da auch wir, Westwing, eine nachhaltigere Lebensweise als sehr wichtig erachten, möchten wir Ihnen auch Unternehmen vorstellen, die einen dabei unterstützen. Dazu gehört auch Too Good To Go, eine App, die die umwelt-gefährdende Lebensmittelverschwendung verringert. Wie genau sie das schafft und was noch hinter “Lebensmittel retten” steckt, erfahren Sie im Folgenden in unserem Interview. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Too Good To Go! Wer seid ihr, was macht ihr, wie kam die Idee zum Lebensmittel retten?

Die fünf Gründer von Too Good To Go waren zusammen in einem Buffet-Restaurant essen. Kurz bevor das Restaurants schließen wollte, haben sie bemerkt, dass das Buffet noch mehr oder weniger komplett bestückt war. Auf Nachfrage haben sie festgestellt, dass es in gastronomischen Betrieben gängige Praxis ist, das übriggebliebene Essen am Ende des Tages einfach wegzuschmeißen. Das wollten sie so nicht stehen lassen und eine einfache Lösung für dieses Problem anbieten. So entstand die Idee zu Too Good To Go.

Über die Too Good To Go-Plattform können gastronomische Betriebe wie Cafés, Restaurants, Bäckereien, Supermärkte & Co übriggebliebenes Essen zu einem vergünstigten Preis an SelbstabholerInnen anbieten, damit es nicht weggeworfen werden muss. Das bedeutet leckeres Essen zu einem kleinen Preis für unsere Community, weniger Verschwendung für die Betriebe und Ressourcenschonung für die Umwelt.

Aktuell kooperieren wir mit rund 5.000 Partnerbetrieben in über 900 Städten in ganz Deutschland, unter anderem mit Alnatura, Nordsee, dean & david oder Starbucks. Gemeinsam mit unserer Too Good To Go-Community bestehend aus mehr als 4 Millionen Menschen haben wir seit unserer Gründung im Jahr 2016 schon mehr als 6 Millionen Mahlzeiten gerettet.

Too good to go Handy Screen App

Was viele nicht wissen: Neben der App engagiert sich Too Good To Go auch in anderen Bereichen für Lebensmittelrettung – beispielsweise über Aufklärungskampagnen, Bildungsangebote und auf dem politischen Parkett.

Tipp: Besonders kurz vor Ladenschluss (1-2 Stunden vorher) können Sie in der Too Good To Go App ein gutes Angebot finden!

Kostet die App Too Good To Go die Kunden etwas oder zahlen die Betriebe Gebühren?

Jeder der ein Smartphone besitzt, kann sich die Too Good To Go-App kostenlos runterladen und direkt mit dem Retten von Lebensmitteln loslegen. Was in einer sogenannten “Magic Bag” landet, ist immer eine Überraschung. Das können beispielsweise Obst und Gemüse vom Supermarkt um die Ecke, Brötchen und süße Teile von der Bäckerei nebenan oder warme Speisen aus dem Lieblingsrestaurant sein. Eins haben die Überraschungstüten aber immer gemeinsam, nämlich, dass sich in ihr nur übriggebliebene Lebensmittel wiederfinden. Verkauft werden sie in der Regel zu einem Drittel des Originalpreises.

Pro geretteter Portion erhält Too Good To Go dann eine kleine Provision. Dieser Betrag fließt unter anderem in die App-Technologie, den Kundenservice oder die Partner-Betreuung. All das wird komplett von Too Good To Go übernommen, um die Teilnahme für unsere Partner möglichst einfach zu machen.

Warum Lebensmittel retten? Werden denn wirklich so viele Lebensmittel weggeschmissen?

Oh ja! Weltweit wird ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet, in Deutschland sind es ganze 18 Millionen Tonnen, die jährlich auf dem Müll landen. Mehr als die Hälfte davon in den eigenen vier Wänden. Das ist sehr belastend für die Umwelt.

In wie fern steht die Lebensmittelverschwendung im Bezug zu CO2?

Bei der Produktion von 1 kg Essen entstehen im Schnitt 2,5 kg CO2-Äquivalente. Wird dieses Essen entsorgt, landen nicht nur noch genießbare Lebensmittel in der Tonne, es ist auch ganz umsonst CO2e entstanden. Auch die Treibhausgasemissionen der Müllverarbeitung kommen noch dazu. Von der unglaublichen Ressourcenverschwendung mal ganz zu schweigen.

Deswegen setzt sich Too Good To Go dafür ein, dass alle produzierten Lebensmittel auch konsumiert werden. Seit unserem Start im Jahr 2016 haben wir weltweit mehr als 57 Millionen Mahlzeiten gerettet und in dem Zuge mehr als 142.500 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart.

Was kann man noch machen, um mitzuhelfen, Lebensmittel zu retten?

Neben dem Retten von Essen sollten wir uns ganz grundsätzlich um mehr Wertschätzung von Lebensmitteln bemühen. Schon kleine Änderungen im Alltag können dabei helfen, das Thema Food Waste in Angriff zu nehmen und weniger Lebensmittel zu verschwenden. Hier ein paar einfache Tipps & Tricks:

  • Mit Plan einkaufen gehen: Zum Beispiel mit einem “Schlachtplan” für den anstehenden Besuch im Supermarkt. Eine schlechte oder fehlende Planung ist nämlich oft der Grund für Lebensmittelverschwendung in den eigenen vier Wänden (Hallo, Impulskäufe!). Das ist ganz easy: Kühl- und Vorratsschrank checken, Bedarf planen (hat sich Besuch angekündigt oder steht am Wochenende ein Ausflug an?), Mahlzeiten überlegen und anschließend eine Einkaufsliste schreiben.
  • Lebensmittel richtig lagern: Wichtig ist auch die richtige Lagerung von Lebensmitteln. Vieles wird weggeworfen, weil es wegen falscher Lagerung schlecht geworden ist, und das muss wirklich nicht sein. Bei Obst gilt die Faustregel: Heimisches in den Kühlschrank, Exotisches bei Zimmertemperatur lagern. Viele Gemüsesorten bleiben in ein feuchtes Geschirrtuch gewickelt in der Gemüselade sehr lange frisch. Übrigens: Die meisten Lebensmittel sind oft länger gut, als auf dem Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben – am besten erst mal schauen, riechen und probieren, und dann entscheiden, ob das Lebensmittel wirklich weggeschmissen werden muss.
  • Kochen ohne Food Waste: Ein weiterer Tipp ist das Zero Waste kochen, bei dem man das Lebensmittel als Ganzes betrachtet, also vom Blatt bis zur Wurzel. Egal ob Kohlrabiblätter, Wirsingstrunk oder ausgetriebene Zwiebeln: solange ein Gemüse nicht schimmelt, fault oder holzig ist, können ohne Bedenken alle Teile verwendet werden. Ein Klassiker, der immer geht, ist Gemüsesuppe, in der auch Blätter und Stiele verwertet werden können. Das Grün von Karotte, Kohlrabi oder Radieschen schmeckt beispielsweise herrlich als Pesto, Gemüse oder Salat.

Lebensmittel retten: Warum werden die übrigen Lebensmittel nicht verschenkt – an Bedürftige?

Das riesige Ausmaß der Lebensmittelverschwendung stellt uns vor eine sehr große Herausforderung, auch aus sozial-ökologischen Gründen. Umso wichtiger ist es, dass alle Lebensmittelretter an einem Strang ziehen, um Food Waste den Kampf anzusagen.

Deshalb arbeiten wir eng mit den Tafeln zusammen, unsere Konzepte ergänzen sich hier tatsächlich sehr gut. Zum Beispiel hat die Tafel oft nicht die logistischen und personellen Kapazitäten, einzelne Mahlzeiten (wie eine Sushi-Box oder einen Teller Suppe) bei den gastronomischen Betrieben abzuholen. Deshalb mussten solche überschüssigen verarbeiteten Speisen bisher in die Tonne wandern. Auch darf die Tafel aus rechtlichen Gründen nur abgepackte Lebensmittel und “trockene” Backwaren abholen und weitergeben.

Grundsätzlich gilt bei uns und unseren Partnern, die bereits mit den lokalen Tafeln zusammenarbeiten, das “Tafel First”-Prinzip: Bevor Portionen über die Too Good To Go-App angeboten werden, werden erst alle Möglichkeiten ausgeschöpft, das Essen zu spenden.

Bei der Verschwendung von Lebensmitteln denkt man automatisch an den Hunger in Afrika. Helfen wir dort auch indem wir weniger verschwenden – gerade in Bezug auf tierische Produkte?

Lebensmittelverschwendung ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ethisches Problem. Aktuell werden jährlich genügend Lebensmittel produziert, um die komplette Weltbevölkerung zu ernähren, aber leider landet ein großer Teil davon im Müll. Dabei könnten verschwendete Lebensmittel die Welt viermal ernähren. Allein ein Viertel der weggeworfenen Lebensmittel der Industrieländer würden ausreichen, um alle Hungernden in Entwicklungsländern zu versorgen.

Anmerkung von Westwing zu den tierischen Produkten: Es werden sehr viele Futtermittel in Nutztiere gesteckt – für am Ende im Vergleich dazu eine sehr kleine Menge an Fleisch. Diese Futtermittel fehlen am Ende in Entwicklungsländern der Bevölkerung. Essen wird somit für die Anfütterung von Nutztieren statt für hungernde Menschen eingesetzt. Eine Ernährung vegan gilt daher als am nachhaltigsten!

Verpackungsmüll oder Lebensmittelmüll – was ist denn jetzt das größere Problem?

Too good to go Tüte Verpackung Cafe Müll

Das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung ist so groß, dass die UN in ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung festhält, dass Food Waste sowohl einer der Haupttreiber des Klimawandels als auch globalen Hungers ist. Letztes Jahr hat die wissenschaftliche Non-Profit-Organisation Project Drawdown außerdem bescheinigt, dass die Reduzierung von Food Waste der größte Hebel ist, den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 herunterzufahren und damit den Klimawandel zu stoppen.

Tipp von Westwing: Verzichten Sie doch auch auf die Tüte beim Abholen der Too Good To Go Bestellung und bringen Sie Ihre Lunch-Box mit!

Stichwort Flugzeug Essen – hier sind der Verpackungsmüll und die Lebensmittelverschwendung (neben dem CO2 Ausstoß) ein großes Problem. Gibt es Ideen dafür?

Für den Moment fokussieren wir uns voll und ganz auf die Lebensmittelrettung am Boden und auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnerbetrieben.

Auch in einigen privaten Haushalten, gerade größeren Familien, herrscht Chaos mit den Einkäufen. Am Ende gammelt das ein oder andere im Kühlschrank. Wie kann man das vermeiden?

Auch hier kann eine vorausschauende Planung der Mahlzeiten und damit des anstehenden Wocheneinkaufs Wunder wirken. Zusätzlich lohnt es sich, regelmäßig einen Blick in den oder die Vorratskammer zu werfen, denn oft finden sich hier noch Lebensmittel, die man gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Das braucht dann nicht neu gekauft und kann idealerweise bald verarbeitet werden.

Um allgemein ökologischer zu leben: Welche Ernährung empfiehlt ihr?

Welche Ernährungsform die richtige ist, muss jeder für sich entscheiden. Fest steht, dass Viehzucht und Fleischproduktion mit ihrem hohen CO2e-Ausstoß ebenfalls ein großer Treiber des Klimawandels sind. Deshalb ist es wichtig, gerade auch tierische Produkte vor der Verschwendung zu retten, weil ihr ökologischer Fußabdruck besonders groß ist.

Stichwort Lunch – können eigentlich auch Kantinen bei eurem Lebensmittel Retten mitmachen?

Too good to go Kollegen Lunch Picknick

Bei uns kann grundsätzlich jeder gastronomische Betrieb mitmachen, der am Ende eines Tages Lebensmittel übrig hat und etwas gegen Food Waste tun möchte. Die Gemeinschaftsgastronomie mit Kantinen & Co. ist ein wichtiger Schwerpunkt bei Too Good To Go.

Spürt ihr irgendwelche positiven oder negativen Auswirkungen der Corona Krise?

Mehr als die Hälfte der Lebensmittelverschwendung in Deutschland findet zuhause statt. Dass wir nach wie vor mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, ist also auch eine große Chance. Ein intensiveres Auseinandersetzen mit dem Thema Lebensmittel, neue Wertschätzung mit Blick auf die kurzzeitige Knappheit, bessere Planung beim Einkauf – während des Lockdowns hat sich unsere Beziehung zu Lebensmitteln verändert und ihnen einen neuen Stellenwert gegeben. Eine wichtige Grundlage dafür, auch in Zukunft weniger Lebensmittel achtlos in die Tonne zu werfen. 

Westwing: Vielen lieben Dank für eure Zeit und das schöne Interview! Weitere Informationen über die App finden Sie übrigens auf der Too Good To Go Homepage! Diese Apps/ Homepages können wir zudem auch noch zum Lebensmittelretten und Engagieren empfehlen:

  • Sirplus
  • Etepetete
  • Zu gut für die Tonne
  • Foodsharer bzw. Foodsharing (hier werden Fairteiler genannt. Das sind Stellen wo man die Lebensmittel an soziale Einrichtungen oder andere Personen abgeben kann.)
  • Foodwatch
  • Lebensmittelwertschätzen

Und Foodsaver sind Verpackungen, die länger frisch halten, also die Haltbarkeit verlängern.


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Und auch unser Interview mit Recup passt super zum Thema!