“Zeig mir wie du wohnst und ich sag dir wer du bist.” Ganz so einfach ist es leider doch nicht. Jede Wohnung spiegelt natürlich die Persönlichkeit der Bewohner wider, aber häufig sind Wohnungen wie ein Puzzle, das sich aus vielen Teilen zusammensetzt. Denn heute sind Sie nicht mehr die Person, die Sie waren, als Sie Ihren Kleiderschrank für Ihre erste Studentenwohnung gekauft haben. Deshalb können Sie sich die Unterstützung von professionellen WohnpsychologInnen holen, die Ihnen helfen Ihre Wohnung so zu gestalten, dass Sie wirklich zu Ihnen passt. Denn unsere Wohnung und unser Umfeld hat mitunter auch einen Einfluss auf Wohlbefinden. Wenn Sie beim Einrichten auf das Thema Wohnpsychologie eingehen, werden Sie garantiert einen Unterschied in Ihrer Wohnqualität bemerken. Doch bevor es an die Umgestaltung geht, fangen wir von vorne an.

Was ist Wohnpsychologie?

Wohnpsychologie beobachtet und untersucht die Wirkung der Wohnumwelt auf das Verhalten, Fühlen, Denken, Handeln und die psychische Gesundheit der Bewohner.

Man lebt so,

wie man wohnt.

Man wohnt so,

wie man lebt.

Adalbert Bauwens

Alles was zum Lebensraum zählt, kann als Wohnumwelt benannt werden und in das breite Feld der Wohnpsychologie miteinfließen: Innenräume, das gesamte Gebäude samt gemeinschaftlich genutzte Flächen, Außenbereiche und schließlich sogar die Aussicht.

Damit ist die Wohnpsychologie ein Teilgebiet der Architekturpsychologie und diese wiederum ein Teilgebiet der Umweltpsychologie. Gleichzeitig kombiniert sie Einflüsse aus der Entwicklungs-, Sozial-, Wahrnehmungspsychologie. Häufig wird Sie auch als Brückenwissenschaft zwischen Wohnbau und Humanwissenschaften dargestellt.

Entscheidend ist allerdings, dass sie ihren Schwerpunkt auf die Wohnqualität und die Aufenthaltsqualität für Menschen in Wohnumwelten legt. Dies beginnt bei der menschengerechten Planung und Gestaltung von Wohnumwelten und geht bis zur eigenen Einrichtung der persönlichen Wohnung nach wohnpsychologischen Erkenntnissen und Konzepten.

Wohnpsychologie vs. Feng Shui

Beide Techniken verfolgen dasselbe Ziel, nämlich eine angenehmere, gesündere Wohnumwelt zu schaffen. Trotzdem gehen beide dabei anders vor:

  • Feng Shui entspringt aus einer chinesischen, philosophischen Lehre. Laut dieser gilt es das Chi, also die alles durchströmende Energie, in Fluss zu bringen. Leben und auch die Wohnung sollen in Einklang mit der Umwelt sein. Dafür haben Philosophen eigene Techniken und Maßnahmen entwickelt, nach denen sich ein Wohnraum optimal gestalten lässt.
  • Bei der Wohnpsychologie stehen nicht die Umwelt, das Chi, Energien, oder der Raum im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Alles andere wird ihm entsprechend angepasst. Wobei wissenschaftliche Studien, Analysen und Theorien die Entscheidungen und Konzepte von Wohnpsychologen stützen.

8 wichtige Elemente der Wohnpsychologie

Wenn Sie die Beratung eines Wohnpsychologen oder Wohncoaches in Anspruch nehmen, wird der Experte verschieden Punkte mit Ihnen gemeinsam abarbeiten, um am Ende ein auf Sie zugeschnittenes Wohnkonzept zu erhalten.

  • Bedürfnisse:

Zunächst gilt es Ihre Bedürfnisse herauszuarbeiten. Werden Sie sich selbst bewusst, welche Ansprüche und Prioritäten Sie an die Wohnung stellen. Im Gespräch mit dem Profi wird Ihnen vieles bewusster und klarer. Denn Sie verstehen es, die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel, wie häufig haben Sie Gäste? Und wie wichtig sind Ihnen Gäste? Vielleicht ergibt sich aus dem Gespräch, dass Sie sich den großen Esstisch sparen können und sich stattdessen mit einer gemütlichen Sessellandschaft viel wohler fühlen würden.

Wohnpsychologen werden aus Ihnen herauskitzeln was Sie wirklich wollen und nicht was Sie denken, was von Ihnen erwartet wird.

Tipp: Um herauszufinden, was es alles zu tun gibt, können Sie ganz einfach wie ein Gast durch Ihre Wohnung gehen. Angefangen bei der Eingangstüre, schreiten Sie durch jeden Raum und notieren, was Sie sich denken: “Das muss ich noch reparieren”, “Da muss ich dringend Ordnung schaffen”, “Da wollte ich schon längst ein Bild aufhängen”. Nach und nach werden Sie eine To-Do-Liste angefertigt haben.

  • Einrichtung:

Hier sind manche Thesen aus der Wahrnehmungspsychologie und der Verhaltenspsychologie sehr hilfreich. Zum Beispiel, sitzen Menschen in der Regel gerne so, dass sie die Tür im Blickfeld haben. Solche grundsätzliche Richtlinien müssen natürlich nicht für jeden gelten, sind aber eine gute Basis um die weitere Einrichtung darauf aufzubauen.

Schaffen Sie sich zudem Ruheoasen in Ihrer Wohnung. Daher lohnt sich auf jeden Fall eine Investition in hochwertige und bequeme Sitzmöbel. Hier können Sie mit Ihrer Familie zusammenkommen und ganz einfach selbst mit einem Buch oder zu Ihrer Lieblingsserie entspannen.

Tipp: Haben Sie weder Balkon oder Garten? Dann schaffen Sie sich eine gemütliche Sitzecke an einem Fenster, um ab und zu etwas frische Luft schnappen zu können!

  • Raumstruktur:

Die gegebene Raumaufteilung und Strukturierung bietet sehr viel Entwicklungspotenzial, gerade bei einem Umzug oder wenn eine neue Einrichtung angeschafft werden soll.

Kleine Räume lassen schnell ein Gefühl von Enge aufkommen. Für den einen bedeutet das sich begrenzt und eingeengt zu fühlen, während der andere einen cozy Cocoon sieht.

Große Räume können überfordernd sein. Wenn Sie das Gefühl erzeugen der Leere nicht gewachsen zu sein. Sie können aber auch das Gefühl von Freiheit aufsteigen lassen.

Hohe Räume und die damit verbundene Weite über dem Kopf schaffen Platz für die Gedanken und für Spiritualität. Auch dies kann für jeden Menschen eine andere Wirkung und Bedeutung haben.

Verwinkelte Räume mit spitzen und stumpfen Winkeln sind zu unruhig, um sich dauernd dort aufzuhalten. In öffentlichen Gebäuden sind sie meist Schauplatz für Events und besondere Anlässe. Zuhause gilt es diese Wirkung zu beruhigen, oder die Energie positiv zu nutzen.

  • Platz:

Wenn Sie sich durch die Wohnung bewegen, sollten Sie keinen Hindernissen ausweichen müssen. Sperrige Möbel, die Türen blockieren, Kram der keinen Stauraum findet oder unnötige Beistellmöbel müssen dann einen neuen Platz finden.

Ein cooler Trick: Tanzen Sie durch die komplette Wohnung. Geht das, ohne dass Sie sich gebremst oder eingeengt fühlen? Wo verweilen Sie länger? Welche Ecken und Plätzchen mögen Sie besonders?

  • Farbe:

Ebenso wie wir Einrichtungsgegenstände und Raumstrukturen anders wahrnehmen, empfinden wir auch Farben im Zuhause sehr unterschiedlich. Abhängig davon was wir mit der Farbe verbinden. Trotzdem können Sie sich an bestimmten Grundsätzen orientieren. Rot wird von den meisten Menschen als warm, belebend und anregend empfunden. Blau dafür als kühl und beruhigend.

So können Farben die Raumwahrnehmung beeinflussen und sogar Räume optisch vergrößern oder verkleinern.

  • Bilder:

Noch mehr als bei Farben unterscheidet sich die Wahrnehmung von Bildern von Mensch zu Mensch. Je nach Kulturkreis, nach eigenen Erfahrungen und Erinnerungen verknüpfen wir mit bestimmten Symbolen unterschiedliche Werte und Bedeutungen. So werden auch Ihre Gäste Ihre Bilder anders wahrnehmen als Sie selbst. Allerdings spielen Sie in der Wohnpsychologie die Hauptrolle. Ihre eigene Wahrnehmung ist gefragt.

  • Licht:

Faktoren wie Tageslicht oder Kunstlicht, zudem noch die Zimmerausrichtung, sind entscheidend für die Raumwahrnehmung. So lässt sich sogar die gefühlte Raumtemperatur verändern. Farben und Materialien wirken unter verschiedenen Lichtverhältnissen anders. Gutes Licht kann, sowohl natürlich als auch künstlich sein, zunächst brauchen Sie vor allem genügend Licht. Wenn Sie eine Lichtquelle im Raum haben die hell macht, können Sie verschiedene Leuchtkörper hinzufügen, die für die Atmosphäre sorgen.

  • Ordnung:

Ein Gamechanger in der Wohnpsychologie: Ordnung schaffen und Ballast loswerden. Aussortieren, entrümpeln und aufräumen, schafft nicht nur Platz in der Wohnung, sondern auch im Kopf! Wie bereits angesprochen verbinden wir mit jedem Gegenstand eine Geschichte, eine Emotion, eine Erinnerung. Diese Geschichten können aber auch belastend sein. Dann können Sie Ihre Wohnqualität aufwerten, indem Sie diese Gegenstände, Möbel oder Dekoartikel loswerden.

Farbenlehre

Wir haben bereits kurz angeschnitten, dass Farben eine allgemeine und individuelle Wirkung haben. Genauer lassen sich die physiologisch messbare Wirkung, die durch Kultur zugeordnete Wirkung, die durch Mode und Trends beeinflusste, sowie die individuelle Wirkung unterscheiden.

So haben Untersuchungen, Beobachtungen und Messungen zu Farbwirkungen gezeigt, dass mache Farben auf viele Menschen gleich oder zumindest ähnlich wirken:

  • Weiß fördert die Kreativität
  • Blau regt die eigene Intuition und Kreativität an
  • Grün schafft Balance und gleicht das Gemüt zwischen Anregung und Ruhe aus.
  • Naturtöne sorgen für Ruhe und Gemütlichkeit.
  • Orange regt Gespräche an.
  • Rot hingegen lässt Streitgespräche aufkommen.

Schon gewusst? Blau-grüne Töne kommen oft am Arbeitsplatz mit gefährlichen Maschinen zum Einsatz, oder im Operationssaal.

Obwohl manche Reaktionen auf Farben messbar sind, müssen wir immer berücksichtigen, dass für jeden Menschen noch weitere Faktoren die Farbwirkung beeinflussen.

Wohnpsychologie beim Zusammenziehen

Der eine steht auf verspielte Details, der andere mag cleanes Design. Der eine liebt hohe offene luftige Räume, der andere möchte sich hinter geschlossene Türen zurückziehen können.

Wenn Sie mit Ihrem Partner zusammenziehen gilt es zunächst zu verstehen, dass hinter der Farbwahl, der Raumwahrnehmung oder der Auswahl der Möbel mehr steckt als nur ein individueller Geschmack. Hinter solchen Entscheidungen stehen Bedürfnisse.

Der Schlüssel zu erfolgreicher Kompromissfindung ist also, diese Bedürfnisse mitzuteilen. Erklären Sie Ihrem Partner zum Beispiel: Große, offene Räume überfordern mich. Deswegen wäre es mir wichtig die Küche vom Wohnzimmer mit einer Tür trennen zu können. Das wird Ihr Partner eher verstehen, als wenn Sie einfach nur sagen Sie die offene Küche gefällt Ihnen nicht.

Denn wer sich an einem Ort nicht wohlfühlt, wird angespannt, steht unter Stress und bekommt schlechte Laune. Wenn dieser Ort Ihr Zuhause ist, wird dies zur dauerhaften Belastung. Sie haben keinen Rückzugsort mehr, der Ihnen Kraft gibt, sondern einen Ort der Ihnen Energie raubt. Darunter leiden Sie, Ihr Partner und die Beziehung.

Durch viel offene Kommunikation kann es gelingen, unterschiedliche Wohnbedürfnisse zu kombinieren. So, dass beide Partner mit der Lösung zufrieden sind und sich Zuhause wohlfühlen.

Die wichtigsten Fakten zur Wohnpsychologie im Überblick


  1. Wohnpsychologie beschäftigt sich mit der Wirkung der Wohnumwelt auf den Menschen. Im Mittelpunkt einer Analyse steht immer die Person und ihre Bedürfnisse.
  2. Ziel ist es, die Wohnumgebung so zu gestalten, dass sie Kraft gibt und nicht Energie raubt.
  3. Wohnbedürfnisse lehnen sich an die Grundbedürfnisse des Menschen an. So spielen Selbstverwirklichung, Individualbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Sicherheit und physiologische Bedürfnisse entscheidende Rollen bei der Wohnungseinrichtung.
  4. Farben, Licht, Materialien, Bilder, Raumstruktur, Natur, Platz und Ordnung sind alles Faktoren, die unser Empfinden Zuhause beeinflussen.
  5. Jeder nimmt diese Faktoren anderes wahr. So können viele Menschen mit Enge nicht umgehen, sowie andere von Weite überfordert sind.
  6. Vor allem Farben werden von jedem Menschen anders wahrgenommen. Abhängig davon welches kulturelle Wissen, welche Erinnerungen und Gefühle man mit dem Farbton verknüpft.
  7. Mitbewohner, Paare und Familien müssen deshalb offen über Ihre Wahrnehmung und Bedürfnisse kommunizieren, um Kompromisse zu finden.

Wir hoffen wir konnten Ihnen einen Einblick in die Welt der Wohnpsychologie geben. Wenn Sie gerne Experten-Wissen wünschen, können Sie sich sehr gerne an unseren Interior Design Service wenden. Wir erstellen gerne ein komplettes Wohnkonzept für Ihr Zuhause! Ihr Westwing-Team!