Teezeremonie Kanne aufegfüllt mit Teeblättern

Ob britische Tea Time, japanische Teezeremonie oder ostfriesische Teetradition: Sie schaffen Raum für Erholung und einen Moment, um den Blick nach innen zu wenden. Dabei bestimmen oft Rituale den Verlauf der Zeremonie. Wussten Sie, dass die Teezeremonie auf der Philosophie des Zen basiert? Alles was Sie noch wissen sollten und zu einer perfekten Teezeremonie brauchen, erfahren Sie in unserem Guide. Viel Spaß bei der kleinen Kulturreise nach Japan & Co.!

Was ist eine Teezeremonie?

Bei einer Teezeremonie lädt der Gastgeber einen oder mehrere Gäste zum gemeinsamen Teetrinken ein. Im Vordergrund steht die rituelle Teezubereitung, die vor den Anwesenden durchgeführt wird, sowie das anschließende Trinken des Tees. Dazu reicht der Gastgeber meist kleine Häppchen.

Vom richtigen Geschirr über eingespielte Abläufe und die geeignete Teesorte – bei einer traditionellen Teezeremonie sollten Sie einiges beachten. Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengetragen – damit steht einer gelungenen Teestunde nichts mehr im Wege!

Der richtige Tee

Im Rahmen des japanischen Teezeremoniells wird Grüntee verwendet. Bei der britischen Tea Time oder der ostfriesischen Teezeremonie wird auch schwarzer Tee oder Ostfriesentee ausgeschenkt werden. Grüner Matcha Tee ist in Japan aufgrund seiner positiven Wirkung auf Körper und Seele bekannt. Dieser wird in einer kleinen Schale mit einem Bambusbesen angerührt. Schwarzer und Ostfriesentee bestechen durch einen aufmunternden Effekt.

Die Geschichte der Teezeremonie

Die Einführung des Tees in Japan kam durch das chinesische Vorbild im Jahre 600 n. Chr. zustande. Erstmals durchgeführt wurde eine Teezeremonie vom japanischen Mönchen Saicho. Nachdem das Teetrinken einige Jahre in Vergessenheit geriet, erlebte es ein Revival. Nachdem dem buddhistischen Staatspriester Muso Kokushi ein Regal zum Präsentieren sämtlicher Tee-Utensilien überbracht wurde, nutzte dieser es bei der Teezubereitung. Er legte erste Rituale fest: Die Geburtsstunde der japanischen Teezeremonie.

Der buddhistische Geistliche Ashikaga Yoshimasa verschrieb sich gänzlich der Kunst des Teetrinkens. Er erweiterte das Regelsammelwerk um die richtige Größe des Zeremonieortes, sowie Materialien und Formen der hinzugezogenen Gegenstände. Der Raum sollte eine ausgeglichene Ästhetik aufweisen, die Utensilien und Gefäße Kunst gleichen. In vielen Kulturen wurde Tee als rares Importgut geschätzt oder in verschiedenen Kräuterzusammensetzungen als Heilmittel verwendet. Großbritannien wie auch Ostfriesland erreichte der Tee-Boom erst im 17. Jahrhundert und ist seither ebenso fester Bestandteil ihrer Kulturen.

Jede Teezeremonie hat etwas Besonderes. In Japan zum Beispiel versucht man, mit dem Teeritual Gelassenheit und Ruhe in seinem Leben zu erlangen. In England und Ostfriesland hingegen geht es eher um das Zusammenkommen und den Genuss jeder einzelnen Teetasse. Wir haben die bekanntesten Teezeremonien und deren Zubereitung für Sie zusammengefasst:

Die japanische Teezeremonie

Die Zeremonie folgt den vier von Teemeister Sen No Rikyû festgelegten Prinzipien, auch genannt Chado (Weg des Tees). Er verknüpte die Zeremonie mit dem Zen-Buddhismus. Diese sind Harmonie (Wa), Reinheit (Sei), Respekt (Kei) sowie Stille (Jaku) bzw. Gelassenheit durch die stetige Ausübung von Wa, Kei und Sei. Harmonie soll zwischen der Natur und den Gästen herrschen und dem Gastgeber, dem verwendetem Zubehör und den Teilnehmenden soll Respekt gezollt werden. Ziel ist das gemeinsame Erlangen innerer Reinheit und Entspannung. Dazu tragen ein reduziert eingerichteter Raum, ruhige Farben und ebenso ruhige Teilnehmer bei. Mehr als fünf Teilnehmer darf die Teilnehmerzahl aber nicht überschreiten. Weitere Regeln sind:

  • weiße Socken
  • auf den Knien sitzen
  • weniger ist mehr – für alles, was sie am Körper tragen
  • Handy aus

Das japanische Teehaus

Der japanischen Teezeremonie liegt die Chanoyu genannte japanische Teekunst zugrunde. Diese findet in einem Teehaus statt. Es ist klassisch von einem japanischen Garten umgeben. Dort führt der sogenannte Roji (路地), der „taubedeckte Pfad“, zum Teehaus bzw. dem Eingang aus einer rechteckigen niedrigen Schiebetür – Nijiriguchi. Diese muss man auf den Knien durchschreiten – ein Symbol der Bescheidenheit. Das Teehaus selbst besteht meist aus Holz und Bambus und zwei Räumen. Einer zum Vorbereiten des Tees, der andere für die Zeremonie. Das Teezimmer nennt sich Chashitsu. Es ist kaum eingerichtet. Hier befinden sich lediglich Tatami Matten, Shoji Wände und eine Kochstelle. Wichtig ist auch die Tokonoma, eine spezifische Nische mit einer Bilderrolle und oft einem Blumengesteck.

Der Ablauf der japanischen Teezeremonie

Teemeister Sen No Rikyû hat die „sieben Geheimnisse des Wegs des Tees“ festgehalten, die durch eine perfekte Zeremonie führen sollen.

  • Bereite eine köstliche Tasse Tee zu;
  • Platziere die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzen kann;
  • Arrangiere die Blumen, wie sie auf dem Feld stehen;
  • Sorge für Erfrischung im Sommer und für Wärme im Winter;
  • Bereite alles rechtzeitig vor;
  • Stelle dich auf Regen ein, selbst wenn es nicht regnet;
  • Schenke allen deinen Gästen die höchste Aufmerksamkeit.

Sie als Gast betreten den Roji, hier sollen Sie den Alltag vergessen und sich auf die Zeremonie vorbereiten. Nun nehmen Sie im Wartesaal Platz und erhalten heißes Wasser, das im Anschluss für die Teezubereitung verwendet wird. Nach einem aufwendigen Reinigungsritual von Hand und Mund treten Sie auf Knien ein. Nun vermengt der Teemeister Matcha Tee (der mit einem Teebaumlöffel genommen wurde) mit heißem Wasser und schlägt diesen schaumig. Zuerst wird starker Tee zum Essen, dann dünner Tee serviert. Zunächst erhält der ranghöchste Gast nach seiner Verbeugung eine Schale Tee, nach erneuter Reinigung wird diese den weiteren Gästen gereicht. Der Teemeister soll jeden Einzelnen auf den “Teeweg” führen und ihm somit zu Gelassenheit, Ruhe und Wärme verhelfen. Während der gesamten Zeremonie herrscht Stille. Erst wenn sie beendet ist, kann man sich über die Themen, die sich innerhalb des Teezimmers beziehen, unterhalten. Dieses Gespräch ist ein wichtiger Punkt der Teezeremonie um nochmal Respekt und Dankbarkeit zu zeigen. Außerdem kann die japanische Teezeremonie insgesamt bis zu vier Stunden dauern.

Info: Es gibt auch Schulen in Japan die das Beschreiten des Teeweges lehren. Zu den bekanntesten gehören die Sansenke-Schulen.

Die ostfriesische Teezeremonie

Traditionell wird der Tee am Nachmittag gegen 15 Uhr getrunken, eine kurze Teepause am Morgen, die Elführtje, ist ebenso üblich. Die Teekanne wärmt man mit heißem Wasser vor. Nachdem der Ostfriesentee vier Minuten ziehen konnte, befüllt man die Kanne vollständig. Vor dem Ausschenken wird jede Tasse mit einem Kandiswürfel bestückt und dann der Tee eingegossen. Wichtig ist, dass man die Tasse nicht mehr als bis zur Hälfte vollgießt – die Spitze des Kandis soll noch herausragen. Abschließend verfeinert man den Ostfriesentee mit Sahne. Aber halt: Den Tee darf man weder schütteln noch rühren! Außerdem ist es üblich, eine Mindestmenge von drei Tassen pro Zeremonie zu trinken.

Die britische Teezeremonie

Bei der nachmittäglichen Tea Time wird schwarzer Tee getrunken. Hierzu kocht man lose Teeblätter in der Teekanne auf und lässt sie hinterher in der Kanne. Der Tee erreicht dadurch einen stets steigenden Teingehalt, weswegen man in regelmäßigen Abständen heißes Wasser nachschenkt. Ihren Tee vermengen Briten gerne mit einem Schuss Milch, wodurch der ungesüßte Tee lieblicher wird. Dabei gehört es zur Tradition, beim Rühren mit einem Löffel das Porzellan unter keinen Umständen zu berrühren. Was außerdem nicht fehlen darf: Klassisches Shortbread.

A home without tea is merely a house.”

– English saying

Die chinesische Teezeremonie

Genauso wie die Japaner lieben auch die Chinesen das Teetrinken. Im Gegensatz zur japanischen Teezeremonie ist die chinesische jedoch nicht so perfektionistisch und kann von der breiten Bevölkerung zelebriert werden. In der chinesischen Teezeremonie hat der Teemeister das Ziel, den perfekten Grüntee zuzubereiten. Hier geht es aber keineswegs nur um handwerkliches Geschick. Vor allem die rechte Geistesverfassung, Intuition und meditative Verfassung spielen eine Rolle. Das Besondere an dieser Teezeremonie: Sie ist durch drei Arten von Aufgüssen charakterisiert.

Zuerst spült man die Teekanne und Teeschalen mit heißem Wasser aus. Dann kommen die Blätter des grünen Tees in die Kanne und werden mit heißem Wasser übergossen. Den ersten Aufguss trinkt man nicht, weil er noch sehr bitter schmeckt. Da er aber schon sehr gut riecht, bezeichnet man ihn als “Aufguss des guten Geruchs”. Nun befüllt man die Kanne ein zweites Mal mit Wasser und lässt die Blätter darin eine halbe Minute ziehen. Anschließend gießt man den Tee in eine zweite Kanne und dann erst in die Tassen. Diesen Aufguss nennt man “Aufguss des guten Geschmacks”. Den zweiten Schritt kann man bis zu 15 Mal durchführen. Diese Aufgüsse werden dann “Aufgüsse der langen Freundschaft” bezeichnet.

Diese Produkte dürfen bei keiner Teezeremonie fehlen

Ästhetik spielt bei einer Teezeremonie eine große Rolle, genauso wie die Vorbereitung – nichts wird dem Zufall überlassen.

Das Zubehör für die japanische Zeremonie

Aufbewahrt wird der leichte oder starke Tee in einer Teedose mit Deckel, die mit traditionellen Bambuszweigen oder Blumenmustern bemalt ist. Generell spielt Bambus eine große Rolle: Auch Teebesen und Wasserschöpfkelle bzw. Schöpflöffel sind aus dem robusten Material gefertigt. Perfekte Begleiter einer japanischen Teezeremonie sind Teekanne und Teeschalen aus dunklem Steingut. Für den Deckel der Teekanne gibt es einen extra Untersetzer. Tee-Löffel hingegen bestehen aus Bambus. Hinzu gibt es ein Gefäß mit frischem Wasser und ein Gefäß für benutztes Wasser. Ergänzend gibt es ein weißes Leinen Tuch und ein farbiges Tuch. Matten bedecken den Boden, kleine Bodenkissen können aber hinzugezogen werden. Insgesamt soll der Raum den Zustand widerspiegeln, der durch die Zeremonie erreicht werden soll: Innere Klarheit und Frieden.

Elegante Utensilien für die britische und ostfriesische Teestunde

Die ostfriesische und britische Tea Time wollen gebührend ausgetragen werden: Mit einem Teeservice aus feinstem Porzellan, mit zartem Goldrand oder handgemaltem Blumenmuster. Eine Tee-, Milchkanne, Tassen wie Untertassen und kleine Teller dürfen nicht fehlen. Oft werden Shortbread oder kleine Petit Four auf einer Etagere gereicht, die zusammen mit einer hochwertigen Blumenvase den Tisch ziert. Sollten Sie zu wenig Platz auf Ihrem Tisch haben, dann sind Sie mit einem stilvollen Teewagen bestens bedient. In unserem Onlineshop von WestwingNow finden Sie dazu eine exklusive Auswahl!

Bei einem solchen Anblick können Sie nur entspannen. Der festgelegte Ablauf wirkt wie eine Meditation und erfordert die volle Anwesenheit im Hier und Jetzt. Schönes Geschirr trifft auf intensiven Geschmack und erfreut alle Sinne. Ein Genuss für Augen wie Gaumen!

DIY: Japanischen Teemoment selbst machen

Eine japanische Teezeremonie zu Hause nachmachen – geht das überhaupt? Klar – allerdings spricht man hier nicht von einer Zeremonie, sondern von einem Teemoment. Dafür ist der Begriff zu besonders. Außerdem sollte man einige Regeln befolgen, um den spirituellen Akt der Teezeremonie auch in seinen vier Wänden nachzuempfinden.

Zuerst ist es wichtig, sich genug Zeit für den Teemoment zu nehmen und den Ort, an dem er stattfinden soll, ein wenig zu dekorieren. Besonders der Boden oder ein niedriger Tisch, wie ein Couchtisch, eignen sich hierfür. Dann brauchen Sie eine gewisse Grundausstattung, um den Teemoment richtig nachzukreieren. Diese wären:

  • Ein Bambusbesen für das Schlagen von Matcha
  • Matchapulver
  • Eine Matcha- oder Frühstücksschale
  • Teekanne mit heißem Wasser
  • Schale für gebrauchtes Wasser
  • Teelöffel
  • Geschirrtuch

Der Ablauf der Teezeremonie zuhause

  1. Erwärmen von Schale und Bambusbesen

    Gießen Sie heißes Wasser in die Schale und legen Sie den Bambusbesen für einige Minuten hinein. So kann der Bambus ein wenig aufweichen und bricht nicht beim Schlagen des Matchas.

  2. Wasser abgießen und Schale trocknen

    Das Wasser gießen Sie anschließend aus der Teeschale in die Schale für das gebrauchte Wasser. Trocknen Sie nun Teeschale mit einem Geschirrtuch ab.

  3. Matchapulver in die Teeschale füllen

    Nun füllen Sie einen Teelöffel Matchapulver in die Teeschale. Gießen Sie dieses mit ungefähr 80 ml heißem Wasser auf. Das Wasser sollte eine Temperatur von etwa 80°C aufweisen. Das erreichen Sie, indem Sie das Wasser nach dem Kochen für ca. 10 Minuten abkühlen lassen.

  4. Aufschlagen von Pulver und Wasser

    Im nächsten Schritt schlagen Sie das Matchapulver und das Wasser mit dem Bambusbesen auf. Die Körperhaltung ist hier entscheidend: Stellen Sie sich am besten hin oder richten Sie sich auf den Knien auf. Es wird aus dem Handgelenk geschlagen, der restliche Körper bleibt ruhig.

  5. Genießen!

    Wenn Sie das Pulver nun kreisförmig oder im Zick-Zack-Muster schlagen, wird es schaumig. Jetzt können Sie den fertigen Tee genießen!


Lese-Tipp: Sie sind fasziniert von der japanischen Lebensart und möchten diese auch in Ihre vier Wände integrieren? Dann entdecken Sie in unserem Artikel den Wohntrend “Japandi” und lassen Sie sich von dem fernöstlichen Charme inspirieren! Und klicken Sie doch auch in unsere Artikel Winterblues und dry january.