Mantras Om meditierende Hand Zeichnung

Was haben ein langes ruhig gesungenes „Ooooom“ und ein kraftvoll in den Badezimmerspiegel gesprochenes „Du kannst alles schaffen“ gemeinsam? Beide sind Mantren. Beide auf ihre Art. Mantra Circles und Kirtan-Konzerte sind ein unaufhaltsam wachsender Trend. Aber was genau passiert, wenn man beginnt, seine positiven Glaubenssätze zu singen? Wir haben uns hier mit der Kraft der Worte und Gedanken auseinandergesetzt, verraten was dahintersteckt, beantworten Fragen und geben Tipps rund um das Thema Mantra. Schließlich teilen wir mit Ihnen 25 Mantras, die Sie täglich einsetzen können.

Was ist ein Mantra?

Mantras werfen viele Fragen auf. Was ist eigentlich ein Mantra? Hat jeder Mensch ein Mantra? Oder kann man mehrere Mantras haben? Und wie wirkt ein Mantra? Kann man ein Mantra gezielt einsetzen, um seine Ziele zu erreichen? Wie arbeitet man mit einem Mantra an sich selbst und an seinen Zielen? Wir beantworten zunächst die erste.

Ein Glaubenssatz, eine Affirmation, ein gesprochener Leitsatz oder eine gesungene Meditation – ein Mantra kann vieles sein.

Im Yoga sind Mantras heilige Worte, manchmal aber auch ganze Verse oder nur einzelne Silben. Die Länge spielt keine Rolle. Wichtiger ist, was sie in Körper und Geist auslösen. In ihrer traditionellen Anwendung werden sie in der altindischen Sprache Sanskrit gesprochen und in die Yogapraxis eingebunden. Heutzutage kann ein Mantra aber auch in jeder alltäglichen Lebenssituation und in jeder Sprache gesprochen werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Gruppen der heiligen Verse: Zum einen Moksha-Mantren, die Befreiung und Erleuchtung bringen sollen und zum anderen Siddhi-Mantren, die Kräfte und Energien freisetzen sollen. Das Mantra OM, wohl das bekannteste Mantra, ist Beispielsweise ein klassisches Moksha Mantra. Wie das OM auch außerhalb der Yogaklasse genutzt werden kann und welche Wirkung dahintersteckt, erklären wir weiter unten.

Ein Mantra soll Menschen in ihrem Leben von negativen Gedanken befreien, das Bewusstsein erweitern und die Chakren aktivieren. Dafür wird es meist mehrmals gesprochen oder gesungen. Durch die Wiederholung und den einprägsamen Rhythmus, der das Mantra begleitet, wird der heilige Glaubenssatz im Unterbewusstsein gefestigt und manifestiert. Und das kann tatsächlich jeder selbstbestimmte Glaubenssatz sein.

Doch, bevor dieser sehr moderne Ansatz des Mantra-Singens zum Trend wurde, gab es schon unzählige traditionelle Mantren, die man heute auch noch nutzen kann.

10 Sanskrit Mantras für echte Yogis

Frau auf Yogamatte

Haben Sie ein Mantra gefunden, ist es ratsam, dabei zu bleiben und es regelmäßig zu wiederholen. Wir haben hier zehn besonders beliebte Sanskrit Mantren gesammelt, welche Sie für Ihre Mantra-Meditation rezitieren können.

  1. Om – Die Silbe gilt im Hinduismus als das heiligste aller Mantras. Es beschreibt den Urklang aus dessen Vibration das gesamte Universum entstanden sein soll.
  2. So Ham – „Ich bin“.
    Dieses Mantra soll beruhigen. Es bedeutet, dass Sie vollkommen sind, wie Sie gerade sind.
  3. Om Namah Shivaya – „Ich verbeuge mich vor Shiva“.
    Indem Sie dieses Mantra wiederholen, rufen Sie nicht unbedingt Shiva als Gottheit an. Sondern Sie besinnen sich auf das Göttliche und die Weisheit, das in allem steckt, in jedem und in uns selbst.
  4. Lokah Samastah Sukhino Bhavantu – „Mögen alle Lebewesen frei und glücklich sein und möge ich mit meinen Gedanken, Worten und Handlungen auf bestmögliche Weise dazu beitragen.“ Dieses Mantra entspricht der Grundphilosophie des Yoga: Wir sind alle eins und wir sind alle miteinander verbunden. Es bringt Achtsamkeit und Mitgefühl für alles was uns umgibt.
  5. Aieem Namah – „Meine wahre Natur ist Freude und Liebe.”
  6. Aham Prema – „Ich bin Liebe“.
  7. Ong Namo Guru Dev Namo – „Ich verneige mich vor der schöpferischen Energie des Universums“.
  8. Om Mani Padme Hum – „Ignoranz Eifersucht Arroganz unstillbares Verlangen Furcht und Trägheit Hass“. Es spricht negative Muster an, von welchen man sich befreien möchte und ist das Mantra des Mitgefühls.
  9. Om Shanti Shanti Shanti – „Om Friede Friede Friede“. Das Wort Friede wird hier dreimal hintereinander gesprochen, um seine Wichtigkeit zu verdeutlichen.
  10. Ra Ma Da Sa – „Sonne Mond Erde Unendlichkeit“. Das Mantra wird zur Heilung von sich selbst und anderer eingesetzt.

Neben den traditionellen Mantren aus dem Hinduismus, Buddhismus oder der tantrischen Lehre und den Klängen in Sanskrit können Sie auch Ihr eigenes Mantra schaffen. Formulieren Sie Ihren persönlichen Glaubenssatz und wiederholen Sie Ihn laut und rhythmisch, wann immer Sie auf die meditative Wirkung zurückgreifen wollen.


Mehr zu Yoga in unserem Artikel dazu!

5 Mantras für mehr Erfolg und zur beruflichen Zielsetzung

Ein Mantra kann negative Gedanken wie etwa Selbstzweifel aufbrechen, welche uns häufig davon abhalten, unser volles Potenzial auszuschöpfen. Diese Mantras können Sie gezielt einsetzen, um Ihre Ziele zu fokussieren.

  1. Ich vertraue dem Universum
  2. Ich kann Großartiges erreichen.
  3. Was für mich bestimmt ist, werde ich erreichen.
  4. Ich glaube, dass ich alles tun kann.
  5. Ich bin der Architekt meines Lebens; ich habe sein Fundament gebaut und werde seinen Inhalt wählen.

5 Mantras für mehr Gelassenheit und gegen Stress

Ein stetiges Om kann sehr beruhigend wirken. Wer stattdessen auf beruhigende Affirmationen zurückgreifen will, um sie wie ein Mantra zu wiederholen, der kann auf die folgenden Glaubenssätze zurückgreifen:

  1. Es gibt immer etwas Gutes, ich muss es nur sehen.
  2. Ich kann alles aushalten.
  3. Alles, was jetzt geschieht, geschieht zu meinem höchsten Wohl.
  4. Meine Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern, ist grenzenlos; mein Potenzial, erfolgreich zu sein, ist unendlich.
  5. Ich strotze vor Energie und fülle mich mit Freude.

Tipp: Auch zum Thema Loslassen beraten wir Sie!

5 Mantras für eine positivere Einstellung und zur Selbstliebe

Meditierende Frau mit Hand über der Brust

Viele der traditionellen Mantra-Verse beschäftigen sich mit Selbstliebe. Diese können entweder in Ihrer ursprünglichen Form im Sanskrit gesungen werden oder in der eigenen Sprache.

  1. Ich bin von innen und von außen schön.
  2. Ich bin froh, dass es mich gibt.
  3. Ich bin wertvoll.
  4. Ich atme Selbstbewusstsein ein und Ängste und Zweifel aus.
  5. Ich bin einzigartig. Und ich schätze mich für diese Einzigartigkeit.

Mit Mantras arbeiten – Step by Step

Haben Sie ein Mantra gefunden, egal ob ein heiliger Vers oder eine selbstgewählte Affirmation, kann es losgehen. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihre Mantra Meditation.

Schritt 1: Ein Mantra wählen & den Ort bestimmen

Stellen Sie sicher, dass Ihr Mantra zu Ihnen passt, dass Sie es verstehen und fließend aussprechen können. Selbstformulierte Sätze sollten immer im Präsenz sein und Ihr Jetzt beschreiben. Sanskrit Sätze sollten Sie aussprechen können und vor allem die Bedeutung verstanden haben.

Nun suchen Sie sich einen ruhigen Platz, an dem Sie ungestört sind und an dem Sie ohne Unterbrechung chanten können.

Schritt 2: Ankommen

Finden Sie eine bequeme Sitzhaltung. Formulieren Sie vor Ihrer Meditation eine Intention. Lassen Sie dann zunächst Ihre Atmung frei fließen. Beobachten Sie wie Ihr Atem immer ruhiger wird.

Schritt 3: Mantra sprechen

Sie können Ihr Mantra nun sprechen, flüstern, murmeln oder singen. Sie können es parallel zu Ihrer Atmung fließen lassen. Dies erfordert oft etwas Übung. Fokussieren Sie sich auf Ihre Worte und den Klang, den Sie erzeugen. Wie lange Sie meditieren, bleibt Ihnen überlassen. Anfangs steigen Sie vielleicht mit einer kurzen Meditation in die Praxis ein und mit der Zeit können Sie Ihr Mantra immer länger singen, ohne dabei gedanklich abzuschweifen.

Schritt 4: Mantra-Meditationspraxis abschließen

Nehmen Sie noch ein paar tiefe Atemzüge und wiederholen Sie nochmals Ihre Intention. Abschließend können Sie schließlich noch Ihre Dankbarkeit formulieren, für alles wofür Sie aktuell eben dankbar sind.

Mantra Tipps für den Alltag

  • Sie können Ihr Mantra auch visualisieren, aufschreiben oder malen.
  • Formulieren Sie ein realistisches Mantra.
  • Formulieren Sie Ihren Glaubenssatz möglichst simpel.
  • Umso öfter und regelmäßiger Sie Ihre Mantra-Meditation praktizieren, desto besser.
  • Sie sollten Ihr Mantra fließend aussprechen können.
  • Es ist wichtig, die Bedeutung eines Mantras zu verstehen, um es nützen zu können.
  • Finden Sie einen geeigneten ruhigen Ort für die Meditation.
  • Schaffen Sie vor der Praxis jede potenzielle Ablenkung aus dem Weg.
  • Haben Sie ein Mantra gefunden, bleiben Sie dabei.
  • Ihr Mantra sollte so kurz sein, sodass Sie es immer wieder wiederholen können, ohne lange nachdenken zu müssen.
  • Verwenden Sie klare, einfache Worte.
  • Ihr Mantra sollte beruhigend sein.
  • Ihr Mantra sollte bestätigend und positiv sein und Ihnen ein gutes Gefühl vermitteln.
  • Verwenden Sie die Gegenwartsform.
  • Beginnen Sie Ihren Glaubenssatz mit “Ich habe”, “Ich bin”, “Ich vertraue” oder „Ich glaube“.

Was Mantras wirklich in uns bewirken

Nach dem ursprünglichen Verständnis aus dem tantrischen Buddhismus wirken Mantren weniger auf die Gedanken, sondern haben mehr eine energetische Wirkung. Das rhythmische Wiederholen des Mantra während der Mantra-Meditation lässt Klangschwingungen entstehen. Diese durchdringen den gesamten Körper und das gesamte Energiefeld im Raum. Energie entsteht. Und der Körper wird in einen meditativen Zustand versetzt.

So hat das Mantra in seiner traditionellen Praxis und seine Schallschwingungen eine Wirkung auf das Bewusstsein. Bestimmte Töne können gezielt eingesetzt werden, um Energie zu erzeugen. Ein Mantra löst Blockaden, spendet Kraft, bringt Ruhe, öffnet Chakren oder vertreibt negative Gedanken. Man kann ein Mantra nach der zugeschriebenen Gottheit wählen oder je nach Klang und es schließlich immer wieder nutzen, um selbst Energie zu erzeugen.

Anders können selbstgewählte Mantras aber auch wie positive Affirmationen genutzt werden. Selbst bestimmte Glaubenssätze, die täglich oder regelmäßig wiederholt werden, können den Geist auch beeinflussen. Dafür ist allerdings ein achtsamer Umgang mit den Worten notwendig. Das eigene Mantra kann die Yoga-Praxis begleiten, zur Meditation gesprochen oder gezielt eingesetzt werden, um den inneren Fokus zu lenken. Egal ob leise gedanklich wiederholt, gemurmelt, oder laut und energetisch ausgesprochen.

Bei dieser modernen Form der Wiederholung und der Nutzung eines Mantras, tritt der Klang und die Schwingung des Klangs zwar in den Hintergrund. Denn der Inhalt der selbst gewählten Worte wird wichtiger. Aber auch damit kann man negative Gedanken aufbrechen und durch positive Glaubensmuster ersetzen.

Was Chanten dazu beiträgt

Was passiert beim Chanten? Kurz gesagt: Good Vibes schwingen durch den Körper.

72 Haupt Nadis Energiekanäle laufen durch den Körper, die durch Klänge und Gesang in Schwingung versetzt werden können. 84 Meridianpunkte liegen im Mund. Beim Singen und Bewegen der Zunge sendet der Körper Befehle ans Gehirn, die signalisieren, welche Botenstoffe ausgeschüttet oder welche Neurotransmitter versendet werden sollen. Zudem wird Vagus, der 10. Hauptnerv, stimuliert und der Körper kann entspannen.

Die leise Wiederholung eines Mantras kann zwar auch schon Körper und Geist beeinflussen. Um ein Mantra aber voll auszuschöpfen und in seiner traditionellen Form zu nutzen, sind Klänge, Töne und Schwingungen notwendig, die beim Chanten erzeugt werden.

Know How: Die Tradition und Geschichte von Mantras

Buddhismus Tempelfigur aus Nepal

Mantren haben sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus Wurzeln. Wobei hinduistische und buddhistische Mantras auf verschiedene Aspekte des Bewusstseins, der Energie oder Weisheit ausgerichtet sind.

Im Hinduismus steht das Brahman im Mittelpunkt der Lehre. Brahman ist das Absolute, das Eine. Dank Brahman erfahren wir in unserer äußeren Welt eine unüberschaubare Vielfalt, in der jeder Mensch etwas finden kann, das ihn berührt und bewegt.

Entsprechend vielfältig sind auch die hinduistischen Mantren. Im Hinduismus wird gelehrt, dass durch die Schwingung eines Mantras das große Ganzen erfahren werden kann und man sich mit dem Brahman verbinden kann. Die eigene individuelle Seele soll mit der absoluten, kosmischen Seele in Einklang kommen.

Noch weiter ausgeprägt und gefestigt ist die Anwendung der Mantras im Buddhismus.

Veden sind die ältesten bisher bekannten Zeugnisse indischer Spiritualität. In den vedischen Gesängen wurde rund um 1500 v. Chr das komplette spirituelle Wissen überliefert.

Buddhistische Mantras sind Teile der Veden. Anrufungen und Gebete haben damals Rituale und Opfer begleitet. Jedes Mantra konnte unter korrektem Einsatz bezogen auf Anwendung und Aussprache für den Mensch eine Beziehung zum Göttlichen herstellen. Das Wissen um diese Anwendung, den Wortlaut und die Aussprache wurde von den Priestern wie eine Geheimlehre gehütet.

Am Ende der vedischen Zeit ab ca. 600 v. Chr entstanden schließlich die Weisheitsschriften, die heute noch gültig und nicht hinterfragbar sind, die Upanishaden. Sie enthalten offenbartes Wissen und wurden in sogenannten „bedeutenden Lehrsätzen“, den Mahavakyas zusammengefasst.

Wie heute jedes Mantra sollte das Mahavakya andauernd gemurmelt werden, solange bis es den Geist völlig durchdrungen hat. Daneben wurde in den Upanishaden auch das berühmteste Mantra OM und das Wissen um das Urgeräusch Om zum ersten Mal beschrieben.

Auch im Tantrismus um 600 n. Chr. wurden Mantras genutzt. Noch heute bildet die Tantra-Lehre die Grundlage des Yoga. In der tantrischen Weltsicht wird gelehrt, dass die göttliche Schöpfungskraft Shakti den Klang erschuf, aus dem alles andere entstand. Dementsprechend ist Welt im Grunde Klang und Schwingung. Wobei vor allem der innere Klar, die eigene Energie hier eine zentrale Rolle spielt. Tantrische Mantras sollen keine höhere Kraft anrufen, sondern die inneren Schwingungen lenken. Die tantrischen Keimsilben, Bija-Mantras wie zum Beispiel die Silben hrim, ham, hum wecken Schwingungen und spezielle energetische Stimmungen im Körper.

Anfang des 7. Jahrhunderts entwickelt sich der tantrische Buddhismus und die Mantra-Praxis. Jedem Buddha, jeder Bodhisattva und jeder tantrischen Gottheit wird ein Mantra zugeschrieben. Indem man sie singt oder rezitiert, verbindet man sich mit dem Erleuchteten und zehrt von deren Kraft und Inspiration.

Diese buddhistischen Mantras wurden seitdem immer wieder neu interpretiert und gestaltet, um sie unserer Gesellschaft zugänglich zu machen.