Vanlife Alltag mit Van am See

Campen liegt im Trend und immer mehr Menschen entscheiden sich für einen eigenen Camper oder ausgebauten Bus bzw. Transporter, um damit zu Reisen. Manche verbringen sogar mehrere Wochen oder Monate on the Road und nutzen den Campervan in dieser Zeit als mobiles Zuhause. Vanlife wird dieser Reise- und Lifestyle genannt, dem die freie Journalistin Anna Tiefenbacher ihr erstes Buch gewidmet hat. In unserem Interview verrät die Autorin, die selbst viel mit ihrem ausgebauten Transporter unterwegs ist, was das Faszinierende am Vanlife ist und worauf man als Einsteiger achten sollte.

Was kann man sich unter dem Begriff „Vanlife“ vorstellen?

Vanlife bedeutet übersetzt so viel wie „Leben im Bus“ – bezieht sich aber nicht nur auf Menschen, die ganzjährig in ihrem Van leben, sondern auch auf diejenigen, die ab und an in ihrem Van verreisen. Mit den voll ausgestatteten Wohnmobilen auf spießigen Campingplätzen hat das nicht mehr viel zu tun. Immer mehr junge Leute erfüllen sich ihren Traum vom eigenen Camper. Das sind dann oft superschöne VW Bullis oder richtig coole selbstausgebaute Transporter. Und die Community wächst stetig: Auf Instagram gibt es über elf Millionen Beiträge mit dem Hashtag #Vanlife.

Ich habe mein komplettes Buch „Vanlife“ genannt und der Inhalt dreht sich um den Bus-Ausbau und praktische DIY-Projekte. Außerdem habe ich auch Menschen interviewt, die seit Jahren teilweise oder ganz in ihrem Van leben.

Was ist für dich das Tolle am Leben bzw. Reisen im Van?

Ich glaube, es passt einfach zum aktuellen Zeitgeist: Wir wollen nicht mehr zweimal im Jahr nach Bali fliegen und unseren CO2-Fußabdruck damit noch mehr vergrößern. Lieber entdecken wir all die schönen Orte in Europa und vor der eigenen Haustür. Wer einmal im Van verreist ist, merkt, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein.

In meinen wenigen Quadratmetern auf Rädern fühle ich mich zuhause – egal, wo ich hinfahre. Und ich kann mich selbst versorgen, brauche keinen Stromanschluss, habe meine eigene kleine Küche mit Waschbecken und Gaskocher und das allergemütlichste Bett immer dabei.

Ich fühle mich gleichzeitig geborgen und total unabhängig und frei – das ist vielleicht das Beste am Vanlife.

Ganz im Sinne des Minimalismus-Trends überlege ich mir vor einer Reise außerdem, welche Dinge ich wirklich mitnehmen will: Der Stauraum ist schließlich begrenzt. Es ist sehr befreiend, Ballast abzuwerfen, nur mit dem Nötigsten und Liebsten unterwegs zu sein. Außerdem werde ich mit meinem Van zur Abenteurerin und Entdeckerin. Ich habe schon an so vielen schönen Stränden und Seen, an romantischen Spots in den Bergen und in Wäldern übernachtet!

Vom Campervan bis hin zu nützlichen Gadgets – was braucht man alles als Vanlife-Einsteiger?

Prinzipiell kannst du mit jedem Auto losfahren, in das eine Matratze passt. Dann noch Schlafsack, Gaskocher, (Koch-)geschirr, Essen und Wasser einpacken and you’re Roadtrip-ready.

Ich habe außerdem immer eine Powerbank dabei, eine Bluetoothbox, Lichterketten, Taschenlampe, gute Bücher, eine Hängematte, Rotwein …

Und je nach Jahreszeit und Reiseziel pack ich die entsprechende Kleidung ein: Bikini oder flauschiger Wollpulli, Sommerkleid oder Regenjacke. Manchmal auch beides. Und immer natürlich Hygieneartikel wie Zahnbürste und Sonnencreme, Duschgel und Shampoo …

In deinem Buch ist eine Life-Saver-Liste fürs Vanlife – was findet sich darauf und warum?

Es handelt sich um nützliche Dinge, auf die man oft erst kommt, wenn man sie dringend braucht. Dazu gehören für mich folgende Lebensretter, die bei mir immer mit an Bord sind:

  • Gaffer Tape: weil sich damit sogar kaputte Campingstühle reparieren lassen
  • kleiner Feuerlöscher: im Zweifel sehr nützlich
  • Kleingeld: sammle ich in der Fahrerkabine – für Parkautomaten, Mautgebühren, Duschen, …
  • Leatherman: weil der einfach alles kann
  • Ohropax: selbsterklärend
  • Powerbank: immer hilfreich, um das Handy nachzuladen
  • Spiele: Laune-Retter bei schlechtem Wetter
  • starke Magneten: zum Beispiel um damit ein Handtuch als Vorhang an der Schiebetür anzubringen oder als Sonnensegel über den Hecktüren
  • Starterkabel: wenn man mal vergisst, die Scheinwerfer auszumachen, ist die Batterie schnell leer (vor allem bei älteren Autos mit schwacher Batterie)
  • Stirnlampe: wenn man nachts mal raus muss

Auf was kannst du persönlich unterwegs nicht verzichten?

Das ist jetzt unromantisch, aber ohne mein Handy wäre ich aufgeschmissen. Das brauche ich als Navi, zum Musik hören, um Stellplätze ausfindig zu machen… Abgesehen davon finde ich es wichtig, eine richtig warme Bettdecke dabei zu haben und gute Kopfkissen, damit man wirklich gut schlafen kann. Und Oropax, falls es draußen mal lauter ist!

Über meine French Press bin ich auch sehr froh, damit kann ich mir jederzeit einen richtig leckeren Kaffee zubereiten und bin nicht auf Tankstellen-Plörre angewiesen. Da ich sehr gerne die Gegend erkunde und wandern gehe, sind meine Wanderschuhe auch immer dabei. Da die wasserdicht sind, bin ich auch bei schlechtem Wetter sehr froh über sie.

Wie sehen deine Autofahrten aus? Was machst du gegen Langeweile?

Ich fahre am liebsten ganz entspannt und meistens nicht schneller als 110 km/h. Das spart Sprit und ist stressfrei. Wenn ich Zeit habe, fahre ich außerdem nicht mehr als drei, vier Stunden am Tag, alles was länger ist, strengt mich an. An Raststätten halte ich mich nicht so gerne lange auf, es sei denn, sie sind besonders schön und gerade wenig besucht (so etwas gibt es tatsächlich). Dafür mache ich gerne in kleinen Dörfern Pause, an Waldparkplätzen oder einem See.

Bei längeren Autofahrten kommt es dann schon auch mal vor, dass ich eine kleine Siesta im Bus mache. Dann noch einen Kaffee kochen und weiter geht’s! Ich höre gerne Musik, hab verschiedene Playlisten für jede Stimmungslage, von 80er Jahre Pop über Indierock bis Reggaeton. Und ich höre sehr gerne Hörbücher – am liebsten spannende Thriller, da vergeht die Zeit wie im Flug. Auch Podcasts wie Zeit Verbrechen sind perfekte Begleiter für die Fahrt.

Gerade Vanlife-Einsteiger haben viele Fragen. Was sind deine Top-Tipps für Camper Newbies?

Banal aber wichtig: Als erstes kannst du dir einen Van mal für ein Wochenende mieten um zu testen, ob der Van Lifestyle wirklich etwas für dich ist. Es soll ja tatsächlich Leute geben, die lieber in Hotels übernachten…

Wenn du vor dem Mammutprojekt stehst, einen eigenen Van auszubauen, dann hilft es vielleicht, wenn du dir zu Beginn ein paar Fragen stellst. Brauchst du Stehhöhe? Ist dir eine Toilette an Bord wichtig? Reichen dir zwei Sitzpätze in der Fahrerkabine oder brauchst du drei? Willst du Landstrom nutzen können oder lieber vollkommen autark mit Solarenergie unterwegs sein? So kannst du dir nach und nach einen Plan für deinen perfekten Van machen. Instagram und Pinterest sind außerdem sehr gute Inspirationsquellen – auch wenn die durchgestylten, weißen, super aufgeräumten und dekorierten Interiors teilweise ein wenig realitätsfern sind.

Ein Tipp, den mir jemand gegeben hat und den ich immer beherzige ist außerdem: Bleibe nur dort über Nacht stehen, wo du dich wirklich wohl fühlst. Wenn ich bei einem Stellplatz kein gutes Bauchgefühl habe, fahr ich lieber noch mal weiter. Ich kann nur ruhig und tief schlafen, wenn ich mich sicher fühle.


Über die Autorin

Anna Tiefenbacher wurde 1989 in Heidenheim an der Brenz geboren. Nach ihrem Studium (Komparatistik und Anglistik/Amerikanistik) absolvierte sie ein Volontariat bei der Bestsellerautorin Marion Grillparzer.

Anschließend war sie als Redakteurin und später Ressortleiterin für die Zeitschrift Shape tätig. Nach ihrem Umzug nach Hamburg schrieb sie zunächst für verschiedene Magazine wie Flow, Hygge und Living at Home. Im März 2021 erschien ihr erstes Buch “Vanlife” im Südwest Verlag.

Heute lebt und arbeitet Anna Tiefenbacher auf St. Pauli sowie Mallorca. Ihre Schwerpunkte als freie Autorin und Redakteurin für verschiedene Print- und Onlinemedien sind dabei Lifestyle- und Outdoor-Themen.


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