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Digitale Nomaden Laptop Co Working Space Café

Vom französischen Café oder der Beachbar, der Ferienwohnung oder dem Zelt, bis hin zum eigenen Camper Van, kann jedes gemütliche Plätzchen spontan zum Home Office umfunktioniert werden. Für immer mehr Berufstätige wird der Traum des Digitalen Nomaden, vom Leben auf Dauer-Reise zur Wirklichkeit. Denn nicht nur Freiberufliche, Selbstständige oder Saisonarbeiter haben die Möglichkeit, unterwegs ihr Geld zu verdienen, sondern auch immer mehr Unternehmen ermöglichen Ihren Mitarbeitern flexible Arbeitsbedingungen.

Wir haben uns das Leben eines Digitalen Nomaden genauer angeschaut. Ist Digitales Nomadentum wirklich so schön rosig, wie man es sich vorstellt? Gibt es auch Nachteile? Wie wird man überhaupt zum Digitalen Nomaden? Welche Jobs eigenen sich für Digitale Nomaden? Schließlich haben wir einen davon gefragt: Unsere freie Autorin Johanna Holzer erzählt von ihrem Leben mit mobilem Home Office.

Die Definition für digitale Nomaden

No·ma·de /noˈmaːdə, Nomáde/ Substantiv, maskulin [der]

Angehöriger/Angehörige eines Volkes [von Hirten], das innerhalb eines begrenzten Gebietes von Ort zu Ort zieht

Duden

So lautet die offizielle Definition von Nomaden laut dem Duden. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und kann mit „herumschweifend“ oder „weidend“ übersetzt werden. Meist handelt es sich dabei um Wüstenvölker, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht von dauerhaftem Bodenbau leben können und stattdessen umherziehen. Mit Tierherden und der ganzen Familie, auf Pferden oder zu Fuß verlegen sie ihr Zuhause immer wieder an einen neuen Ort.

Der Begriff Digitaler Nomade ist nicht geschützt und dementsprechend auch nicht klar definiert. Digitale Nomaden haben mit dem wandernden Volk nur noch einen Punkt gemeinsam. Sie sind ortsunabhängig, reisen und ziehen immer wieder weiter. Ansonsten passt die moderne Version des Nomadentums das Konzept an die eigenen Bedürfnisse an und entwickelt es immer weiter. Die Möglichkeiten der Digitalen Nomaden sind genauso flexibel, wie ihr Lifestyle selbst.

Ein Volk oder die eigene Familie müssen dafür nicht mit dabei sein. Digitale Nomaden sind oft alleine unterwegs. Wobei das kein Muss ist. Selbst mit Kindern ist ein Leben auf Reisen möglich. Zum Leben, arbeiten und Geld verdienen brauchen sie nur ihren Laptop, ein Tablet oder sogar nur das Handy und eine stabile Internetverbindung. Herden und Tiere spielen heute natürlich gar keine Rolle mehr.

Während Ortsunabhängigkeit lange nicht mit einem Job vereinbar war, wächst nun eine junge Generation von Berufstätigen heran, die entweder selbstständig oder in fester Anstellung remote arbeiten kann. Für sogenannte Digital Natives als „digitale Eingeborene“, die in der heutigen digitalen Welt aufgewachsen sind, eine ganz natürliche Situation. Wozu jeden Tag ins Büro kommen, um am PC zu sitzen, wenn man denselben Job auch im Internet Café am Laptop erledigen kann? Warum von Meeting zu Meeting hetzen, wenn der Konferenzraum auch digital eröffnet werden und das Meeting online stattfinden kann? Der „Digital Immigrant“, also quasi der „digitale Einwanderer“, der diese digitale Welt erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat, sieht sich mit einer Umstellung konfrontiert. Trotzdem nutzen auch viele dieser Generation die vielseitigen Möglichkeiten der digitalen Arbeit.

Aber wie? Kann sich jeder den Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten erfüllen? Sind Digitale Nomaden meist Freelancer oder Selbstständige? Wie finden Digitale Nomaden ihre Jobs? Diese Fragen klären wir im Folgenden.

Jobsuche: Das arbeiten digitale Nomaden

Wie gesagt, der Job eines Digitalen Nomaden lässt sich nicht in eine Definition, eine Schublade, ein Büro oder in feste Arbeitszeiten zwängen. Zwei Kriterien geben dem Konzept des Digitalen Nomadentums aber Ihre grobe Form vor. Die Jobs von Digitalen Nomaden finden ortsunabhängig und online statt.

Berufe für die nicht mehr als ein Laptop, Tablet oder Smartphone benötigt werden, die lassen sich in vielen Fällen auch von unterwegs erledigen. Die modernen Nomaden sind dabei nur auf eine gute Internetverbindung angewiesen. Lange waren Selbstständige und Freelancer typische digitale Nomaden. Wer nun zunächst an Influencer und Blogger denkt, der wird überrascht sein, wie viele Berufsgruppen ungebunden und unabhängig ihre Projekte und Aufträge managen. Von unterwegs Webseiten bauen, befüllen und betreiben klappt wunderbar. Selbst das eigene eCommerce Business kann geführt werden. Ob Online Verkauf oder digitale Dienstleistung, solange die Arbeit via Internet machbar ist, können Digitale Nomaden davon leben.

Eine noch relativ neue Entwicklung im digitalen Nomadentum ist das remote work für festangestellte Arbeiter. Einzelne flexible Unternehmen mögen dies schon früher ermöglicht haben, aber aktuell wird es immer mehr zum modernen Standard, dass Mitarbeiter auch im Home Office remote arbeiten dürfen. Ob dieses Home Office nun Teil des eignen Wohnzimmers ist, auf der Terrasse der Ferienwohnung, in einer Hütte in den Bergen oder in der Hängematte am Strand aufgebaut wird, bleibt dem Arbeitnehmer überlassen. Selbst Teams aus Mitarbeitern, die an unterschiedlichsten Orten der Welt sitzen, können problemlos zusammenarbeiten. Solange die Technik und die Zeitverschiebung es zulassen. Während die technischen Voraussetzungen für remote work schon länger gegeben sind, zieht nun auch der Wandel im Unternehmergeist nach. Ein zentraler Arbeitsplatz und eine feste Anwesenheitspflicht für alle Mitarbeiter scheinen langsam flexiblen Arbeitsplätzen und selbstständigen Arbeitszeiten zu weichen.

Ob selbstbestimmt, freelance, angestellt oder als Gründer, diese Branche und Jobs bieten sich für remote Work und digitales Nomadentum an:

  • Bloggen
  • Coaching und Beratung/Unternehmensberater
  • Kundensupport
  • Content Creator
  • Datenanalyse
  • E-Commerce Spezialisten
  • Affiliate
  • Fotografie
  • Online-Marketing
  • Projektmanagement
  • Sales Manager
  • SEO Experten
  • Softwareentwicklung
  • Texter und Autoren/ Online-Redakteure
  • Trader
  • Übersetzer
  • Videografie
  • Programmierer/Webprogrammierer
  • Web- oder Grafikdesign
  • Webseitenbetreiber

Jobs, die sich online nicht umsetzen lassen, sind streng genommen keine Option für Digitale Nomaden. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie kein Leben auf Reisen zulassen. Jobs, die an einen Arbeitsplatz, ein Team oder Kunden gebunden sind, finden Sie auch bei internationalen Unternehmen, die Ihnen Arbeitsplätze im Ausland bieten. Oder Sie können projektbezogen oder saisonal von Anstellung zu Anstellung weiterziehen.

Die besten Orte für digitale Nomaden

Viele klassische Urlaubsländer haben den Trend erkannt und wollen sich für digitale Nomaden attraktiver machen. Im europäischen Süden zwischen Portugal, Spanien, Frankreich und Italien tummeln sich in den Sommermonaten viele Digitale Nomaden. Für die meisten ist die Nähe zum Meer nämlich immer wieder ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Standorts. Andere bevorzugen ein digitales Leben in den Bergen und ziehen im Winter zum Skifahren oder Snowboarden in die Alpen oder nach Skandinavien. Bali, Thailand oder Costa Rica bieten sich an, um das ganze Jahr über Sommer und Sonne neben der Arbeit zu genießen. Allerdings nur, wenn der Job nicht an eine europäische Zeitzone und feste Arbeitszeiten gebunden ist.

Digitale Nomaden Camper Van innen Arbeitsplatz

© Sebastian Schieren

Im Grunde entscheiden Sie selbst, wo Sie arbeiten möchten. Ob Sie in einem schicken Café, am Strand, in einer Berghütte, im City Loft, im Van oder im Co Working Space sitzen, Sie werden immer einen Arbeitsplatz finden. Ob Sie nach der Arbeit Kultur genießen, surfen oder wandern, Restaurants und Bars entdecken, im Meer schwimmen oder im Dschungel campen wollen, Ihren Standort wählen Sie aus. Und dieser bestimmt Ihre Work-Life-Balance.

Aber was, wenn es Zuhause doch am schönsten ist? Der Begriff Nomade impliziert zwar, dass Sie ständig unterwegs sind und von einem Ort zum nächsten ziehen, allerdings lässt sich der Beruf auch ausweiten und anpassen. Manche Digitale Nomaden schlagen Ihr Home Office für unbestimmte Zeit an einem Ort auf, bleiben dort für eine Weile oder für mehrere Jahre. Andere Digitale Nomaden haben eine Home Base, zu der sie immer wieder zurückkehren. Und wiederum andere haben ein Zuhause auf vier Rädern oder ihr Zuhause in einen Rucksack verpackt. Konstantes Umherreisen ist definitiv kein Muss. Die Möglichkeit reisen zu können, macht das digitale Nomadentum aus.

Wichtige Themen für digitale Nomaden: Kinder, Familie, Partnerschaft und Heimweh

Nicht jeder Digitale Nomade ist alleine unterwegs. Nicht jeder Tag im Leben eines Digitalen Nomaden findet am Strand statt. Digitale Nomaden sind zwar flexibel, aber nicht vollkommen ungebunden. Als Digitaler Nomade hat man viel Freiheit, sucht aber auch nach Sicherheit.

Single Reisende können unabhängiger und ungebundener reisen als Familien oder Partner. Dafür müssen Solo Traveler auch viel und gerne Zeit alleine verbringen. Freunde und Familie bleiben Zuhause und sind nach wie vor an Jobs, Wohnungen und Arbeitszeiten gebunden. Ganz klar, dass es typsache ist, inwiefern dabei ein stärkeres oder schwächeres Heimweh auftritt. Oft finden digitale Nomaden aber auch als Partner unterwegs zueinander und sollten sie Kinder bekommen, wachsen diese direkt in den Lebensstil rein. Möglich ist alles und schließlich kann man immer noch ab und an Besuche in der Heimat machen. Wie gesagt ist das allerdings nichts für jedermann!

Im Interview: Erfahrungsbericht unserer Freelancerin und digital Nomad Johanna

Digitale Nomaden Johanna Holzer Bild Strand

Westwing arbeitet selbst mit Digitalen Nomaden zusammen. Eine davon ist Johanna. Sie schreibt von unterwegs Texte für unsere Website und kann ihr Berufsleben schon seit einer Weile gut mit ihren persönlichen Interessen und ihrer Leidenschaft für das Reisen vereinbaren.

Hallo Johanna! Was musstest du tun, um digitaler Nomade zu werden?

Ich glaube ein Teil von mir war immer schon Digitaler Nomade. Ich habe während meiner Zeit als festangestellte Redakteurin bei einem Münchner Verlag immer wieder darüber nachgegrübelt, wie ich Job und Reisen unter einen Hut bringen könnte. Erst seitdem ich selbstständig als Freelance Redakteurin schreibe, habe ich die Freiheit ortsungebunden von überall zu arbeiten.

Was ich also tun musste, war Gedanken, Plänen und Worten die Taten folgen zu lassen und den Schritt in die Selbstständigkeit endlich zu wagen. Die ersten Monate als One Woman Business verbrachte ich Zuhause in München. Ich machte mich mit dem Work Flow vertraut, lernte meine Kunden kennen und versuchte die Zusammenarbeit hin zu einem reibungslosen Ablauf zu entwickeln. Mir war es wichtig, dass meine Kunden mir vertrauen und ich ihnen eine zuverlässige Dienstleitung anbieten kann, bevor ich losziehe. Erst als ich das Gefühl hatte, dass ich all meinen Kooperationspartnern und Kunden von unterwegs den gleichen Service bieten kann, wie von Zuhause, habe ich Reisepläne geschmiedet. Seitdem bin ich immer wieder für ein paar Wochen oder Monate unterwegs, kehre aber immer wieder in meine Wohnung zurück. Genauso wie ich es genieße auf Reise neue Orte zu entdecken, Menschen kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln, so sehr freue ich mich auch jedes Mal wieder über das Nach-Hause-Kommen.

Warum ist es dein Traum gewesen?

Reisen war immer schon eine meiner großen Leidenschaften. Lange Zeit habe ich diese Leidenschaft ausgelebt, indem ich an den Wochenenden auf Kurztrips unterwegs war, kleinere Urlaube und einmal im Jahr eine größere Fernreise geplant habe. Zudem hatte ich einen Job, der mir auch einige geschäftliche Reisen ermöglicht hat. Trotzdem zog ich rund alle zwei Jahre in eine neue Stadt und wechselte den Job, um dem Drang nach Abwechslung und Veränderung nachzugeben. Wenn ich schließlich in der Redaktion saß, zehrte ich von den Reisen, von den Tagen und Momenten, die ich unterwegs verbracht habe. Solange, bis die innere Unruhe wieder zu groß und der Ruf nach Freiheit zu laut wurde. Das mag kitschig klingen, aber genau so hat es sich angefühlt.

Man könnte sagen ich habe quasi kommen sehen und nun die Bestätigung bekommen. Seitdem ich mich von dem Konzept Arbeitsplatz, Büro und Festanstellung gelöst habe, bin ich persönlich ausgeglichener, aber auch produktiver. Die Reiseplanung klappt nun wesentlich stressfreier, da ich nicht mehr unter Zeitdruck stehe und die Urlaubstage und Wochenenden dafür nutzen muss. Meine Energie und Konzentration fließt in meinen Job. In meiner Freizeit fülle ich meine Energiereserven wieder auf mit den Dingen, die mir wichtig sind.

Bereust du es und möchtest du irgendwann wieder in Festanstellung?

Aktuell, ganz klar: Nein. Für mich persönlich ergibt sich ein entscheidender Teil des Lifestyles auch daraus, wenig in die Zukunft zu planen und dadurch flexibel zu bleiben. Dementsprechend kann ich noch nicht sagen, was in der kommenden Zeit passieren soll. Ich genieße es sehr, die Freiheit zu haben, sowohl in meiner Wohnung, als auch in einer Ferienwohnung, im Café, im Zug oder sogar im Flugzeug arbeiten zu können. Wie lange für mich die Vorteile des Digitalen Nomadentums die Nachteile überwiegen werden – denn ja es gibt sie – kann ich nicht vorhersagen. Für den Moment bin ich jedenfalls sehr glücklich mit der Entscheidung.

Hast du Tipps und Empfehlungen für Orte oder Arbeitsweisen als digitaler Nomade?

  1. Tipp: To Dos geben die Arbeitszeiten vor, nicht die Uhrzeit: Ich habe das Glück nicht nur ortsunabhängig, sondern auch unabhängig von Arbeitszeiten schreiben zu können. Ich halte mich an vorgegebene Deadlines und gebe mir sozusagen selbst Arbeit und Arbeitszeit vor. Alle Digitalen Nomaden, die diese Freiheit genießen, denen kann ich den Tipp geben mit To-Do-Listen, anstatt mit festen Zeiten zu arbeiten. Am Wochenende plane ich gerne meine Woche vor und lege fest wie viel ich in den kommenden Tagen schaffen kann. Von Montag bis Freitag arbeite ich mich durch die To Do Liste durch. Das bedeutet ich arbeite nicht von Neun bis Fünf, sondern immer so lange, bis alle Tagespunkte abgehakt sind. Das mag an manchen Tagen früher und anderen später der Fall sein.
  2. Tipp: Freizeit für Freunde und Besuche bei der Familie einplanen: Am Wochenende nehme ich mir meistens Zeit für Freunde und Familie. Nachdem mein Umfeld nämlich zum größten Teil in klassischen Jobs steckt, passe ich mich an. Auf Reisen kommt es allerdings öfter vor, dass ich jeden Tag für ein paar Stunden arbeite und keine Rücksicht auf Wochenenden oder Feiertage nehme. Das liegt daran, dass ich hauptsächlich alleine reise und mich niemandem anpassen muss.
  3. Tipp: Ein glücklicher Digital Nomad ist ein besserer Arbeitnehmer: Das mag in einem kreativen Beruf, wie meinem, noch mehr zutreffen, als in anderen. Aber ich glaube, dass der Ausgleich zwischen Arbeit und Vergnügen, der durch das digitale Nomadentum entsteht, die Produktivität und Kreativität fördert. Die Eindrücke, die ich beim Reisen sammle, helfen mir meine Texte abwechslungsreich und vielschichtig zu gestalten. Die Freizeit neben der Arbeit kann ich unterwegs noch besser zum Ausgleich nutzen, sodass ich entspannt und motiviert an jeden Arbeitstag herangehe und nicht müde oder gar ausgebrannt.
  4. Tipp: Finden Sie den Ort, der zu Ihnen passt und seien Sie offen für Neues: Ich war während meiner Zeit als Digitaler Nomade schon in Küsten-Städtchen, auf einer Insel und in den Alpen. Ich habe für einige Zeit meine Familie besucht, bin alleine und gemeinsam mit anderen Remote Workern gereist. Persönlich habe ich immer nach Orten gesucht, an denen ich in meiner Freizeit surfen, wandern oder skifahren kann, weil ich dadurch den optimalen Ausgleich zum Arbeitsalltag schaffen konnte. Eine Großstadt war bisher noch nicht dabei, aber wer weiß was da noch kommt. Egal wohin ich kam, neue Bekanntschaften, darunter viele andere Digitale Nomaden, erzählten mir von den Orten, an denen sie schon waren und wohin sie als nächstes wollen. Davon lasse ich mich gerne inspirieren.
  5. Tipp: Eine gute Internetverbindung hat oberste Priorität: Wenn ich eine Reise plane, dann muss ich sicherstellen, dass ich vor Ort mit WIFI versorgt bin, weshalb ich am liebsten in Ferienwohnungen unterkomme. Sie bieten den Vorteil, dass ich hier ungestört, konzentriert und mit gutem Netz arbeiten kann. Für die Tage an denen ich im Auto, Zug oder Flugzeug unterwegs bin stelle ich sicher, dass ich auch mobil genügend Datenvolumen habe, um Mails, Video Calls und Recherchearbeit händeln zu können.

Was du sonst noch dazu sagen möchtest

If you thought about it, you have to do it. Wer schon mal darüber nachgedacht hat, wie das Leben als Digitaler Nomade wohl wäre, der muss es wohl ausprobieren. Ich selbst habe mich langsam herangetastet. Zunächst habe ich für ein paar Tage, dann für ein paar Wochen von unterwegs gearbeitet, schließlich habe ich gemerkt, dass es so gut funktioniert, dass ich noch länger wegbleiben kann. Zwischen meinen Reisen kehre ich immer nach Hause zurück. Wer seinen Job auch unterwegs gut im Griff hat, der kann seine Basis in der Heimat irgendwann ganz aufgeben. So baut sich das digitale Nomadentum langsam und mit geringem Risiko auf.

Und schließlich: Nein, was Digitale Nomaden auf Instagram zeigen, stellt nicht die ganze Wahrheit dar. Es gibt auch stressige Tage. Digitale Nomaden haben auch Zukunftsängste. Das Leben on the Road ist nicht immer rosarot, besteht nicht nur aus Tagen am Strand und ist vor allem nicht für jeden gemacht. Verwechseln Sie Digitale Nomaden nicht mit Urlaubern und reisende Arbeitende nicht mit Touristen. Schließlich gibt es aber nur einen Weg, um für sich selbst zu entscheiden, ob man Digitaler Nomade sein kann und will: Man muss es selbst ausprobieren.

Abschließende Tipps für digitale Nomaden

Digitale Nomaden lassen sich stark in verschiedene Level und Phasen abstufen. So gibt es Digitale Nomaden, die ein Zuhause haben, in das sie immer wieder zurückkehren, um dann wieder loszuziehen. Und es gibt solche, die ihr ganzes Hab und Gut in einen Camper packen und nur noch unterwegs leben und arbeiten. Dazwischen liegen Welten und unzählige Möglichkeiten, seinen eigenen Lifestyle als Digitaler Nomade zu finden. Selbst ganz ohne Job können Sie zum Nomaden auf Zeit werden, indem Sie unbezahlten Urlaub aushandeln und ohne digitalen Arbeitsplatz losziehen.

Je nachdem, wie Sie Ihren Lifestyle im Nomadentum umsetzen wollen, wohin Sie reisen möchten, für wie lange und mit wem, gilt es einige Punkte im Voraus zu planen.

Kümmern Sie sich um genug Einkommen. Wer selbstständig arbeitet, sollte eine stabile Auftragslage haben, um garantiert über die Runden zu kommen. Wer festangestellt ist, der sollte darauf achten, ob er Fixkosten Zuhause und Reisekosten gleichzeitig stemmen kann. In vielen Fällen lohnt es sich die eigene Wohnung zeitweise unterzuvermieten, oder schließlich ganz aufzugeben.

Ob Sie nun für ein paar Wochen oder mehrere Monate unterwegs sind, mit vollgepacktem Rucksack, Bus oder Koffer, es lohnt sich immer den eigenen Besitz auf ein Minimum zu reduzieren. Umso länger und weiter die Reise geht, desto mehr macht sich leichtes Gepäck bezahlt.

Je nachdem wohin Sie reisen und wie lange Sie dort bleiben, müssen Sie sich über die Bedingungen vor Ort informieren und auch Zuhause einiges klären. Brauchen Sie ein Arbeitsvisum? Müssen Sie ummelden oder anmelden?

Zudem bestimmen wohin und für wie lange auch noch, wie und wem Sie Steuern zahlen müssen. Grundsätzlich gilt: Sie zahlen dort Steuern, wo Ihr Wohnsitz liegt.

Hat das Reiseland Ihrer Wahl ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland geschlossen, ist darin festgelegt, an welches Land Sie steuern zahlen. Besteht kein solches Doppelbesteuerungsabkommen, dann zahlen Sie an das Land, in welchem Sie für mehr als die Hälfte des Jahres Ihren Wohnsitz hatten.

Bleiben Sie länger als ein halbes Jahr im Ausland, behalten aber Ihren Wohnsitz in Deutschland, müssen Sie unter Umständen in beiden Ländern Steuern zahlen. Das entscheidet sich je nachdem, ob ein Abkommen zwischen den Ländern festgelegt ist, oder nicht. Wenn Sie weniger als sechs Monate unterwegs sind, dann bleiben Sie deutscher Steuerzahler, egal wo Sie in der Zeit im Ausland waren.

Die Arbeitsgenehmigung

Digitale Nomaden Laptop Café

Innerhalb der EU haben es Digitale Nomaden einfach. Wer als EU-Bürger innerhalb der EU reist und arbeitet, braucht keine Genehmigung. Wer nach Bali oder Costa Rica, Australien oder Kanada möchte, der braucht mehr als ein Touristenvisum.

Denn eine Erwerbstätigkeit mit Touristenvisum ist nicht erlaubt, ob angestellt oder selbstständig spielt dabei keine Rolle. Digitale Nomaden brauchen eine Arbeitserlaubnis. Viele beliebte Hot Spots haben schon reagiert und passen sich den Reisenden an. So hat Thailand zum Beispiel das Smart Visa eingeführt. Es ist für vier Jahre gültig und ermöglicht eine Erwerbstätigkeit. Informieren Sie sich vorab und kümmern Sie sich rechtzeitig um die Arbeitsgenehmigung vor Ort.

Auch gut zu wissen: Wer innerhalb von fünf Jahren mehr als zwei Jahre am Stück keine Beiträge bezahlt hat, der hat keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Ihr Rentenanspruch sinkt nach jedem Monat, in dem Sie keine Beiträge zahlen.

Die Auslandskrankenversicherung

Denken Sie außerdem an Ihre Sozialversicherung. Wer keinen Job und keinen Wohnsitz in Deutschland hat, ist nicht länger sozialversicherungs-pflichtig. Über eine private Krankenversicherung im Ausland können Sie sich trotzdem noch absichern. Denken Sie aber unbedingt daran, sich bei Ihrer Krankenkasse in Deutschland abzumelden.

Fazit: Vor- und Nachteile von digitalen Nomaden

Spielen Sie noch mit dem Gedanken, als Digitaler Nomade loszuziehen und sind sich nicht sicher, ob der Lifestyle das richtige für Sie ist? Dann fassen wir hier die Vor- und Nachteile nochmals für Sie zusammen:

Vorteile Digitaler Nomaden sind:

  • Arbeiten und wachsen: Während Sie unterwegs sind, arbeiten Sie schließlich nicht nur, sondern Sie lernen neue Orte, Menschen und Kulturen kennen. Ihr Horizont wächst, Sie werden an einigen Erfahrungen reicher und wachsen an Erlebtem.
  • Ausgleich und Vereinbarkeit: Die Balance zwischen Beruf und Leidenschaft, zwischen Hobby und Job, zwischen Kariere und Familie gelingt vielen besser, wenn sie ortsungebunden und flexibler sind.
  • Freiheit und Flexibilität: Manche Nomaden haben zwar Arbeitszeiten, aber sie haben alle keinen festen Arbeitsplatz. Die Freiheit jeden Tag an einem anderen Ort sein Home Office aufzuschlagen, ist für die meisten Digitalen Nomaden die größte Verlockung.
  • Netzwerke und Möglichkeiten: Gerade für Freelancer sind Kontakte das A und O, aber auch für angestellte Digitale Nomaden sind neue Bekanntschaften immer eine Bereicherung für Ihr Netzwerk. Wer sich in Coworking-Spaces aufhält, hat gute Chancen jemanden kennenzulernen, der für den Job später nützlich werden könnte.
  • Sparen und Verdienen: Das Prinzip ist einfach. Wer in einem Land wie Deutschland seinen Lohn bezieht, diesen aber in einem Land ausgibt, wo der Lebensstandard deutlich günstiger ist, der kann sich einiges ansparen.
  • Zufriedenheit und persönliche Entwicklung: Wer für genügend und vor allem den richtigen privaten Ausgleich neben dem Job sorgt, der kann mehr Energie, Motivation, Geduld, Produktivität und Kreativität in den Arbeitsalltag stecken.
  • Zuhause und Arbeit unter einem Dach: Wer morgens einfach seinen Laptop aufklappt und loslegt, anstatt ins Büro zu pendeln, der erspart sich eine Menge Zeit. Wer Zeitslots wie Zugfahrten oder Wartezeiten am Flughafen zum Arbeiten nutzen kann, im Café genauso wie in der Hängematte am Strand produktiv sein kann, der schafft auch ohne feste Arbeitszeiten alle wichtigen To Dos in kürzester Zeit.
  • Einfach und überall: Die einzige Voraussetzung zum Arbeiten ist eine funktionierende Internetverbindung. Solange Sie sich darum kümmern, können Sie schon loslegen. Entweder Sie suchen nach Arbeitsplätzen mit guter WLAN-Verbindung, oder Sie denken daran, immer genügend Datenvolumen für unterwegs verfügbar zu haben.

Nachteile, mit denen Digitale Nomaden leben sind:

  • Planung: Auch wenn Digitale Nomaden auf der Suche nach Unabhängigkeit sind, so müssen sie sich um ein gewisses Maß an Planungkümmern. Arbeits- und Steuerrecht im Aufenthaltsland, die eigenen Versicherungen und die Rentenvorsorge muss gecheckt werden. Die festen Kosten, die Zuhause anfallen, müssen genauso im Blick behalten werden, wie die Reisekosten.
  • Eigenverantwortung vs. Vergnügen: Klar, für Selbstständige gilt, sie verdienen nur dann, wenn sie auch arbeiten. Aber selbst als festangestellte Arbeitskraft tragen Sie die Verantwortung, Ihrem Arbeitgeber von unterwegs und vom Travel Office die gleichen Dienste zu bieten, die auch im Büro von Ihnen verlangt werden. Dazu gehört Disziplin.
  • Ausgaben vs. Einkommen: Wer seinen Wohnsitz in Deutschland behält, muss sich auch um die steuerrechtlichen Verhältnisse informieren und kümmern. Denken Sie daran, Ihre Kosten Zuhause auf ein Minimum zu beschränken, um unterwegs mehr finanzielle Freiheit zu haben.
  • Routinen vs. Abwechslung: Flexibilität haben wir bereits als großen Vorteil für Digitale Nomaden genannt. Wer Routinen und ein gewohntes Umfeld braucht um produktiv zu werden, der könnte auf Reisen Schwierigkeiten bekommen.
  • Unabhängigkeit vs. Einsamkeit: Es gibt zwar auch Digitale Nomaden Familien, aber der klassische Digitale Nomade ist alleine unterwegs. Je nachdem für wie lange Sie reisen und wie oft Sie Ihr Zuhause wechseln, desto mehr müssen Sie sich damit auseinandersetzen, öfter mal alleine zu sein.
  • Freiheit vs. Sicherheit: Ohne festen Job gibt’s auch keinen Kündigungsschutz oder Arbeitslosengeld. Nomaden, die einen Job haben, sehen sich damit nicht konfrontiert. Ansonsten lohnt es sich, eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abzuschließen.
  • Ängste vs. Abenteuer: Ohne große Zukunftspläne lebt es sich zwar abenteuerlich, aber gleichzeitig führt zu viel Unsicherheit oft zu Zukunftsängsten. Ein Geldpuffer lässt Sie ruhiger schlafen. Aber grundsätzlich sollten Sie vor Abreise schon sicherstellen, dass Sie unterwegs immer genügend Aufträge, Projekte und Arbeit haben.
  • Recht vs. Unbekümmertheit: Zuhause müssen Sie sich um weniges kümmern. Mit einem festen Job sind Sie versichert, steuerrechtlich abgesichert und haben für die Zukunft vorgesorgt. Als Nomade müssen Sie sich selbst um eine Arbeitserlaubnis kümmern, klären, an welches Land Sie Ihre Steuern abgeben, wie Sie sich versichern wollen und was an sonstigen Abgaben anfällt.
  • Schwanken vs. Sparen: Wer in einem Monat ein dickes Plus macht, der ist versucht dieses im Laufe der Reise direkt wieder auszugeben. Doch gerade auf Reisen lohnt es sich die Ersparnisse direkt in die Reisekasse fließen zu lassen und ein immer ein finanzielles Sicherheitsnetz aufrecht zu halten.
  • Disziplin vs. To Dos: Damit auch wirklich alles erledigt wird und zudem, richtig, rechtzeitig und fehlerfrei erledigt wird müssen sich Digitale Nomaden selbst aus dem scheinbaren Paradies losreisen können. Selbst wenn draußen der Strand oder die Großstadt locken, dann geht die Arbeit trotzdem immer vor.
  • Komfort vs. Kreativität: Unterwegs muss man manchmal kreativ werden, um einen Arbeitsplatz zu finden. Auch wenn Sie nichts zum Arbeiten brauchen außer Internet und ein Endgerät, so müssen Sie damit klarkommen, auch mal auf einem engen Flugzeugsitz zu arbeiten oder in einem lauten Café.
  • Nachhaltigkeit vs. Wanderlust: Digitale Nomaden haben eine recht hohe CO2 Belastung. Wobei der Fußabdruck jedes Nomaden stark variiert, je nachdem ob Sie mit dem Flugzeug durch die Welt jetten oder mit dem eigenen Camper fahren.

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