Frau zwischen Häuserwänden
Reisen ist seit 25 Jahren meine Leidenschaft, die mich inzwischen in über 80 Länder führte. Seit 2009 schreibe ich darüber auf meinem Blog puriy.

Einen positiven Effekt sehe ich aktuell nur mit Blick auf die Natur, die den Menschen ohnehin nicht benötigt und sich nun etwas regenerieren kann.

Weiteres über Madlen von Puriy

Auf Puriy gebe ich kleine Einblicke in meine Reiseerlebnisse abseits der üblichen Touristenpfade – ob in Afrika, Südamerika oder den Stan-Ländern. Aber auch Empfehlungen für Kurztrips und Sonntagsausflüge im Umland Berlins erhalten meine Leser, denn Reisen hat nicht nur etwas mit der Überwindung von Entfernungen und dem Sammeln von Stempeln im Pass zu tun.

Meine Geschichten sollen Lust machen, die Welt selbst zu entdecken, ob in der Ferne oder auch in unserer unmittelbaren Umgebung. Pur und ungeschönt. Neugierde, Interesse, Aufgeschlossenheit und Bewegung – Reisen ist für mich eine Einstellung, nicht nur ein ausgefülltes Zeitstück fernab der Heimat. „Hauptsache raus“ ist dabei stets mein Motto.
Bin ich nicht in der Ferne, findet man mich in den Wäldern, auf den Radwegen oder auf den Seen Brandenburgs und Mecklenburgs, wo ich mir den Ausgleich zum Großstadtleben schaffe.

Mit meinem Blog versuche ich, den Blick für das Andere zu öffnen, um die Welt bewusst und aktiv zu erleben. Hier steht die Liebe zum Reisen, das aktive Erleben von Natur und das Interesse an anderen Kulturen im Mittelpunkt. 

Unser Interview mit Madlen von Puriy

Bist Du dieses Jahr gereist? In welche Länder bist Du hierbei geflogen/ gefahren? Oder hast Du Deinen Urlaub in Deutschland verbracht? Wie sind Deine Erfahrungen dabei gewesen?

Zum Jahresbeginn war ich in Nordkorea und Peking. Kaum war ich zurück, erreichten mich erste Nachrichten über Corona. Noch war alles weit weg. Ende Februar flog ich dann nach Indonesien während in Deutschland noch Karneval gefeiert wurde. Das Thema war zu dem Zeitpunkt schon präsenter, aber noch kein Grund, den Flug zu stornieren. Die Lage spitzte sich dann Tag für Tag zu – auf den Molukken und in Papua bekam ich fast nichts von der Situation mit, wenn ich nicht online war. Es waren die Nachrichten aus der fernen Heimat, die zunehmend ein unwohleres Gefühl in mir aufkommen ließen, wenn ich einmal Internetempfang hatte. Nach einer mehrtägigen Wanderung durchs abgeschiedene Baliem-Tal in Papua, bei der ich wieder offline war, kam ich in mein Hotel zurück und wurde überrannt von den Nachrichten. Angela Merkel hatte ihre Ansprache gehalten, der Lockdown stand in Deutschland bevor. Länder schlossen ihre Grenzen und ich hatte das Gefühl, schnell handeln zu müssen, um die entlegene Region noch rechtzeitig zu verlassen, bevor ich von dort evtl. nicht mehr wegkommen konnte. Die letzten Tage der Reise gestalteten sich als Stresstest – ich befand mich in Dauerwarteschleifen meiner Airline, checkte kontinuierlich die Nachrichten für Indonesien, Katar und Deutschland und sah, wie sich die Situation auch vor Ort verschärfte. Wieder zurück in Deutschland bin ich ein halbes Jahr nicht verreist, war aber (wie in jedem Sommer) viel im Berliner Umland und später auch in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs.
Mitte September wurde ich spontan beruflich nach Griechenland eingeladen. Da es sich um ein noch relativ sicheres Land hinsichtlich der Covid19-Zahlen handelte und die Reise auf einem Katamaran im Mittelmeer stattfand, auf dem die Ansteckungsgefahr doch eher gering war, sagte ich zu.

Wo waren die Unterschiede zu anderen Reisen aus anderen Jahren?

In diesem Sommer habe ich fast jedes Wochenende in Brandenburg oder auch in Mecklenburg-Vorpommern gecampt, gerade in der Hochsaison war es manchmal schwierig und bedurfte einige Anläufe, bis ich einen Platz für mein kleines Zelt fand. Das Campen selbst veränderte sich weniger, außer dass der Trend der letzten Jahre noch spürbarer wurde und die Zeltplätze an ihre Kapazitätsgrenze gelangten. Ich fand aber immer Ausweichplätze und entdeckte dabei Regionen, die sich sonst wohl nicht besucht hätte. Ansonsten war das Ungewohnte lediglich das Tragen von Masken in den Waschräumen. Was mir dennoch auffiel auf meinen Ausflügen, war die Zunahme des Wildcampens in Naturschutzgebieten – vor allem auch mit Vans. Das mag wohl auch dem Hype um #vanlife in diversen Social-Media-Kanälen geschuldet sein. Naturnahes Reisen gepaart mit Ignoranz, das war dann die Kehrseite der Medaille des Reisens in der Heimat, die sich für mich sichtbar machte.

In Bezug auf meine Reise nach Griechenland war ich bereits vom Flug positiv überrascht. Nach Athen war immer ein Zwischenplatz frei, alle trugen Maske und auch beim Ein- und Aussteigen ins Flugzeug achteten die Passagiere und das Personal auf die Abstände. Auf dem Katamaran versorgten wir uns größtenteils selbst. Landgänge gestalteten sich auch sicher, da die besuchten Ortschaften auf den saronischen Inseln und Kykladen aufgrund der Nebensaison und Corona bedingt nahezu touristenfrei waren. Da zum Zeitpunkt meines Auslandsaufenthalts zunehmend europäische Regionen als Risikogebiet eingestuft wurden, hatte ich aber auch auf dieser Reise weiterhin die Lage immer im Auge. Entspanntes und unbekümmertes Reisen wie vor Corona ist es aktuell nicht und wird es wohl auch vorerst nicht wieder sein.

Falls Du nicht verreist bist: Wie hast Du Deine Zeit zu Hause verbracht? Hast Du Dir für bestimmte Sachen besonders viel Zeit genommen oder etwas anders als sonst gemacht? Waren Deine Erfahrungen hierbei positiv/ negativ?

Wie bereits erwähnt habe ich viel Zeit im Umland verbracht, so wie ich es sonst auch tue. Allerdings habe ich das für mich bisher Selbstverständliche dieses Mal noch viel bewusster erlebt. Denn wer wie ich sehr viel aus der Natur zieht, jedoch in der Großstadt wohnt und diese während der Lockdown-Zeit auch möglichst nicht verlassen sollte, für den hat die Weite, die das Land bietet, noch mal einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Die Neigung zur Stadtflucht ist noch viel größer geworden. Die Vorzüge wie Kultur und Soziales, die sonst eine Großstadt bietet, sind eben nun eingeschränkt, so dass doch die Nachteile in diesen Zeiten dominieren.

Erzähle uns allgemein etwas über Deine Gedanken und Erfahrungen. Wie hast Du das Jahr für Dich erlebt im Zusammenhang mit dem Thema Reisen und wie siehst Du die Zukunft des Reisens bzw. auch die Zukunft Deines Blogs.

Ich habe das Glück und Privileg, bereits viel von der Welt gesehen zu haben. Dieser Drang, dem ich seit Ende meiner Schulzeit folge, lässt sich sicherlich auch auf meine Kindheit östlich der Mauer zurückführen. Die Zwangspause fiel mir nach meiner abgebrochenen Reise Ende März zunächst nicht schwer. Ich mache mir weniger Sorgen um mich, da ich von meinem Blog nicht lebe und ich lediglich eine meiner Leidenschaften aktuell nicht ausleben kann. Es ist also nicht existentiell. Viele aus der Tourismusbranche – vor allem auch in ärmeren Regionen – werden diese Phase nicht überleben, je länger Reisetätigkeiten eingeschränkt sind und die Touristen ausbleiben. Staatliche Hilfen sind auch ein Luxus, den es anderswo nicht gibt. Die Welt wird sich somit verändern und ich denke nicht unbedingt zum Besseren. Wo das Geld ist, kann wieder Neues entstehen. Aber wenn ich daran denke, wieviel Herzblut und Kraft in manch kleine Familienunternehmungen hineingeflossen ist, und mit einem Mal ist alles weg, das empfinde ich besorgniserregend.

Aus Sicht der Reisenden vermute ich, dass viele in ihre alten Gewohnheiten zurückkehren werden. Mein genereller Wunsch wäre, mit mehr Bedacht und Sensibilität zu reisen. Zu hoffen wäre auch, den Overtourism in den Griff zu bekommen. Damit meine ich aber auch nicht, dass Reisen wieder teuer und elitär sein sollte, nur für Wenige, die es sich leisten können.

Einen positiven Effekt sehe ich aktuell nur mit Blick auf die Natur, die den Menschen ohnehin nicht benötigt und sich nun etwas regenerieren kann. In dieser Hinsicht vollführt man als Mensch, der viel reist, ohnehin einen permanenten Drahtseilakt, indem man das kaputt macht, was einem lieb ist.