Frau in gelber Jacke am Strand
Hei! Ich bin Nadine, Autorin des Familienreiseblogs Planet Hibbel. Mit meinen 3 Männern im Alter von 49, 13 und 9 Jahren reise ich so oft wie möglich durch die Weltgeschichte. Vor meinen Kindern war ich Airlinerin, zwei Jahre analog auf Weltreise und in den entlegensten Winkeln der Welt unterwegs.

Meine Erfahrungen waren in der Hinsicht durchweg positiv und ich musste feststellen, das alles eine Frage der Perspektive ist.

Weiteres über Nadine von Planet Hibbel

2011 habe ich im Zuge unserer Elternzeit in Thailand, Planet Hibbel ins Leben gerufen. Einen der ersten Familienreiseblogs Deutschlands. Heute gehört Planet Hibbel zu den bekanntesten Reiseblogs im deutschsprachigen Raum und berichtet, unserem Klima zuliebe, hauptsächlich über nachhaltige Trips in Deutschland und Europa.

Unser Interview mit Nadine von Planet Hibbel

Bist Du dieses Jahr gereist? In welche Länder bist Du hierbei geflogen/ gefahren? Oder hast Du Deinen Urlaub in Deutschland verbracht? Wie sind Deine Erfahrungen dabei gewesen?

Mitte Februar waren wir im tief verschneiten Nordnorwegen unterwegs. Kurz danach traf uns der Lockdown und seitdem waren wir nicht mehr im Ausland. Abgesehen von zwei kurzen Abstechern in die Niederlande, die für uns um die Ecke liegen. Als Reisebloggerin hat mich der Totalabsturz des Tourismus erstmal volle Karacho getroffen. Alle Reisen und Jobs wurden abgesagt.
 
Statt wie geplant ins Baltikum zu fahren, haben wir dann im Sommer für ein paar Wochen unser eigenes Land entdeckt. Wir waren im Harz, in Leipzig, im Zittauer Gebirge in Sachsen und in Franken unterwegs. Das Deutschland wunderschön ist, wussten wir natürlich auch schon vorher, aber so intensiv hätten wir es, ohne Corona, wohl doch nicht entdeckt.
 
Unser eigenes Land ist toll und es gibt viel zu entdecken. Trotzdem plagt mich permanentes Fernweh. Mir fehlt einfach die Prise Exotik und Abenteuerfeeling, die man schon verspürt, wenn man nur ins Nachbarland reist. Ein Tagestrip nach Tschechien fühlte sich dann auch glatt wie eine Reise nach Malaysia an.

Wo waren die Unterschiede zu anderen Reisen aus anderen Jahren?

Früher bin ich exzessiv um die Welt gereist. Ich war 1999 ein Jahr auf Weltreise, habe 2002 Australien in einem Campervan umrundet und 2012 ein paar Monate Elternzeit in Thailand verbracht. Als ehemalige Airlinerin habe ich zudem jeden Urlaub genutzt, um ferne Länder zu bereisen. Allerdings bin ich auch damals schon nicht so oft geflogen, wie die Menschen im Jahr 2020. Flüge habe ich fast nur gemacht, um für ein paar Wochen vor Ort zu sein und war dann auch ziemlich slow unterwegs. Dann saß ich manchmal tagelang mit Einheimischen im Bus oder Nachtzug, um von A nach B zu kommen.
 
Als die Flugreisen berufsbedingt immer mehr wurden, habe ich die Reißleine gezogen. Unserem Klima zuliebe habe ich mein Reiseverhalten überdacht und verändert. Ich fliege nur noch max. einmal pro Jahr und mein Fokus liegt auf Deutschland, Europa und nachhaltigen Kurztrips. Dieser Wandel war mein Glück, denn dadurch konnte ich mich blogtechnisch im Sommer wieder ein bisschen aufrappeln. Deutschland und Microadventures vor der Haustür sind coronabedingt Trend. Ich hoffe das hält an, denn das Klima verkraftet aus meiner Sicht keinen zweiten Massenflugtourismus.

Falls Du nicht verreist bist: Wie hast Du Deine Zeit zu Hause verbracht? Hast Du Dir für bestimmte Sachen besonders viel Zeit genommen oder etwas anders als sonst gemacht? Waren Deine Erfahrungen hierbei positiv/ negativ?

Während des Lockdowns durften wir ja noch raus und da wir ländlich wohnen, haben wir die Zeit auch intensiv genutzt, um unsere nähere Umgebung zu erkunden. Das haben wir zwar auch vorher schon gemacht, aber tatsächlich haben wir noch weitere tolle Eckchen entdeckt. Meine Erfahrungen waren in der Hinsicht durchweg positiv und ich musste feststellen, das alles eine Frage der Perspektive ist. Ich stecke da durchaus noch im Wandel, denn mein Nomaden-Gen lässt sich nicht einfach ausschalten. Aber ich arbeite an mir, auch die kleinen Dinge vor der Nase viel mehr wertzuschätzen.

Erzähle uns allgemein etwas über Deine Gedanken und Erfahrungen. Wie hast Du das Jahr für Dich erlebt im Zusammenhang mit dem Thema Reisen und wie siehst Du die Zukunft des Reisens bzw. auch die Zukunft Deines Blogs.

Ich muss gestehen, dass ich wirklich ein bisschen ratlos bin, wohin meine Blogreise gehen wird und wie die Zukunft des Tourismus aussehen könnte. Exzessive Flugreisen und Kreuzfahrten sind meines Erachtens jedoch Vergangenheit. Und wenn Covid19 auch weiterhin wütet, wird die touristische Infrastruktur vielerorts zerstört werden.
 
Wenn wir alle nur noch in Deutschland urlauben, kommt es hierzulande jedoch auch zu Overtourism. Das haben wir ja diesen Sommer z.T. schon an den deutschen Touri-Hotspots beobachten können. Auch den aktuellen Camping-Hype sehe ich etwas kritisch. Denn wenn sich Campervan an Campervan durch die Lande schiebt, kommt da für mein Empfinden kein Freiheitsfeeling auf und umweltschonend ist es auch nicht unbedingt. Vielleicht werden wir uns alle mit mehr Staycation anfreunden müssen und wieder so reisen, wie früher. Seltener, aber dafür länger und intensiver. Der Weg wird das Ziel sein und wenn wir nach Mallorca wollen, müssen wir halt mit Zug und Fähre reisen.
 
Wir müssen halt das Beste aus der Situation machen und wer weiß, ob sich nicht doch noch neue Türen öffnen. Genug Erfindergeist haben wir Menschen ja.