Frau auf Stuhl sitzend im Garten

Hallo, ich bin Sarah, gebürtige Mainzerin und startete 2012 mit meinem Reiseblog Itchy Feet. Damals erfüllte ich mir den lang gehegten Traum nach meinem Studium einen Sommer in Rom zu verbringen. Also mietete ich mir ein Apartment in einer der Seitenstraßen des Campo dei Fiori, buchte einen One-Way Flug in die ewige Stadt und bloggte drei Monate über mein Dolce Vita.
Wieder zurück in Deutschland sammelte ich Erfahrungen in Redaktionen in Mainz, Wiesbaden und Darmstadt bis ich 2017 den Sprung als Reisebloggerin- und journalistin in die Selbstständigkeit wagte. 2019 gründete ich neben Itchy Feet einen zweiten Blog über das Rhein-Main-Gebiet. Heute kann ich mir keinen Beruf vorstellen, der mich mehr erfüllt und begeistert.

Weiteres über Sarah von Itchyfeet

In meiner Freizeit treffe ich mich gern mit Freunden in meinen Lieblingscafés, lese auf meinem Balkon oder Schaukelstuhl, schlendere über Wochenmärkte oder unternehme Erkundungen in der Natur. Daneben suche ich meinen Ausgleich im Yoga und genieße mein Dasein als stolze Tante.

Gerade während der Zeit der Selbstisolation im Frühling 2020 war ich froh die Möglichkeit zu haben viel Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.

Unser Interview mit Sarah von Itchyfeet

Bist Du dieses Jahr gereist? In welche Länder bist Du hierbei geflogen/ gefahren? Oder hast Du Deinen Urlaub in Deutschland verbracht? Wie sind Deine Erfahrungen dabei gewesen?

Das Jahr 2020 begann vielversprechend. Schon im Januar flatterten die ersten Kooperationen in mein E-Mail-Postfach für Aufträge nach Kopenhagen und St. Petersburg. Auch privat freute ich mich darauf meine erste Fernreise seit einigen Jahren zu planen – nach Kambodscha sollte es gehen. Wenige Wochen später war klar, dass die Reisen auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten.

Als sich die Lage im Juni etwas entspannt hatte, wollte ich die Gelegenheit für eine Reise nicht entgehen lassen. Mir schwebte ein Roadtrip durch Brandenburg vor, doch auch nach dem Meer und dem mediterranen Leben sehnte ich mich und so setzte ich mich nach langem Grübeln in den Flieger und reiste an die kroatische Küste nach Zadar. In früheren Zeiten hätte ich vermutlich den Zug als Transportmittel gewählt, da ich als Slow Travellerin gerne mit der Bahn durch Europa reise, aber diesmal war mir wohler bei dem Gedanken möglichst schnell und mit möglichst wenig Kontakt zu anderen Reisenden am Ziel anzukommen.
Ungewohnt empfand ich es, die Gesichtsmaske so lange am Stück zu tragen. Vom Betreten des Flughafens in Frankfurt bis zum Verlassen der Ankunftshalle in Zadar. Aber diese Einschränkung nahm ich gern in Kauf und fühlte mich in allen Situationen sicher. Ich sah nur sehr wenige „Einzelfälle“, die sich nicht an die Maskenpflicht hielten. Alles lief sehr organisiert ab. An die Fluggäste wurde Desinfektionsmittel verteilt und beim Aussteigen aus dem Flugzeug gab es spezielle Reglungen, um Gedränge in den Gängen zu verhindern.
Auch in Kroatien empfand ich die die Lage als entspannt. Verhältnismäßig wenige Touristen spazierten durch die Altstadt von Zadar und sogar an solch beliebten Orte, wie dem Nationalpark Plitvicer Seen, tummelten sich deutlich weniger Menschen.  
Trotz der ungewohnten Situation, die ihre Maßnahmen und Regeln mit sich bringt, konnte ich meinen Kroatienurlaub in vollen Zügen genießen und würde mich wieder dafür entscheiden in das Flugzeug zu steigen, sollten die Infektionszahlen am Reiseziel niedrig sein.

Wo waren die Unterschiede zu anderen Reisen aus anderen Jahren?

Nach meiner Kroatienreise war ich bislang lediglich in Deutschland unterwegs und insgesamt deutlich weniger auf Reisen als in den vergangenen Jahren. Der größte Unterschied zu früheren Reisen hat sich, neben den Hygienemaßnahmen und der Maskenpflicht, wohl in der Planung bemerkbar gemacht. Mehr Flexibilität und Spontanität ist gefragt, verbunden mit einem nahezu täglichen Check der aktuellen Risikogebiete. Es kommt vor, dass Trips kurzfristig verschoben werden müssen, wenn mein Reiseziel oder meine Heimatstadt Mainz zum Risikogebiet erklärt werden.

Falls Du nicht verreist bist: Wie hast Du Deine Zeit zu Hause verbracht? Hast Du Dir für bestimmte Sachen besonders viel Zeit genommen oder etwas anders als sonst gemacht? Waren Deine Erfahrungen hierbei positiv/ negativ?

Gerade während der Zeit der Selbstisolation im Frühling 2020 war ich froh die Möglichkeit zu haben viel Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Denn als allein lebender Single, der keine Freunde einladen oder besuchen darf, waren es keine einfachen Wochen. Ich hatte mich einige Zeit im Haus meiner Eltern einquartiert, viel Zeit im Garten verbracht und an Blog-Beiträgen für Zeiten gearbeitet, in denen das Reisen wieder möglich ist.

Ich versuche Situationen immer so zu nehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen, anstatt mich zu beklagen. Also nahm ich diese Zwangspause um durchzuatmen und aus meiner alltäglichen Routine auszubrechen. Da ich mich nicht wie sonst beim Sport in der Halle austoben konnte, habe ich seit etwa sechs Jahren wieder mit dem Joggen begonnen. Früh morgens, noch vor dem ersten Schluck Kaffee, schlüpfe ich in Sportklamotten und Laufschuhe und jogge eine gemütliche Runde. Die Sonne im Gesicht und die aktuellen Lieblingssongs auf den Ohren. Ohne auf Zeit oder Tempo zu achten. Nur für mich. Ein wunderbarer Start in den Tag.
Auch die Ausgeh-Abende habe ich eine Weile an die Situation angepasst. Als Restaurants und Cafés geschlossen waren, haben wir im Garten „aperitivo-Abende“ eingeführt. Ein schönes Ritual mit leckerem Wein und Snacks, das dann nahtlos ins Abendessen überging.

Erzähle uns allgemein etwas über Deine Gedanken und Erfahrungen. Wie hast Du das Jahr für Dich erlebt im Zusammenhang mit dem Thema Reisen und wie siehst Du die Zukunft des Reisens bzw. auch die Zukunft Deines Blogs.

Als Reisejournalistin und Bloggerin hat mich Corona mehrere Monate zu einer Pause gezwungen. Fast alle Aufträge wurden abgesagt und ich musste mich finanziell stark einschränken. Glücklicherweise fiel die Arbeit an meinem zweiten Buch, einem Reiseführer über Frankfurt, genau in die Zeit, in der das Reisen nicht möglich war. Die Planung, Recherche und das Erstellen der Fotos verlief zwar nicht ganz so reibungslos, wie ich es einige Monate zuvor erhofft hatte, aber die Arbeit an diesem umfangreichen Projekt war ein wichtiger Lichtblick in der unsteten Zeit.
Mittlerweile ist die Auftragslage für meine Blogs und meine Arbeit als Reisejournalistin wieder sehr stabil. Trotzdem hat mich die Krise einiges gelehrt. Nicht nur, was wirklich zählt im Leben – so kitschig das klingen mag – auch was mein Leben als Selbstständige betrifft.
Dass der Tourismus wieder anlaufen konnte, stimmt mich natürlich sehr froh. Auch wenn die Art des Reisens sich sicherlich noch eine Weile verändern und an die Lage anpassen wird. Urlaub vor der Haustür liegt im Trends, Roadtrips stehen derzeit höher im Kurs als Flugreisen, was der Umwelt natürlich sehr zuträglich ist. Leider sind dafür lange Bahnreisen durch Europa weniger attraktiv.
Wenn sich die Lage weiter normalisiert, würde ich mir wünschen, wir alle würden unser Privileg die Welt bereisen zu dürfen wieder mehr schätzen lernen und unseren wunderschönen Planeten bewusster und respektvoller entdecken.