Frau am Strand bei Sonnenuntergang

Ich bin Anja und reise seit mehr als 20 Jahren um die Welt und berichte darüber auf meinem Reise-Blog und Travel Guide happybackpacker.de. Mittlerweile ist die Seite nicht nur Reisetagebuch, sondern ein umfangreicher Guide zum Thema Backpacking, Alleinreisen, Surfen sowie Tauchen.  Es geht um den Spaß an abenteuerlichen Sportarten sowie Möglichkeiten, wie Reisende mehr aus ihrem Trip herausholen können. Mein Motto: Have Less. Be More. Do More.

Verglichen mit meinem verrückten Lifestyle der letzten Jahre, bei dem ich fast wie ein Rockstar unentwegt unterwegs war, stand dieses Jahr unter dem Stern inneren Reise.

Anja von Happybackpacker

Unser Interview mit Anja von Happybackpacker

Bist Du dieses Jahr gereist? In welche Länder bist Du hierbei geflogen/ gefahren? Oder hast Du Deinen Urlaub in Deutschland verbracht? Wie sind Deine Erfahrungen dabei gewesen?

Ich hatte das ganz große Glück Anfang des Jahres zwei Monate auf Fuerteventura zu verbringen. Fuerteventura gilt als menschenleerste Insel der Kanaren und zieht einen wilden Mix aus Pauschaltouristen und Hippies an. Ich fühlte mich dort sofort wohl und genoss  die kargen, wüstenähnlichen Landschaften für mich allein und arbeitete in einem Co-Working-Space in Corralejo im Norden der Insel.
 
Allerdings hatte ich Ende Januar eine ziemlich fiese Erkältung und hatte drei Tage Probleme zu atmen. Meine Lunge rasselte und schmerzte, und ich fühlte mich hundeelend. Corona war noch sehr weit weg zu der Zeit auf den Kanaren, trotzdem schleppte ich mich in ein Krankenhaus. Die Ärztin schien jedoch nicht weiter beunruhigt, untersuchte mich halbherzig und schickte mich mit einem Asthmaspray wieder nach Hause. Dort pflegte ich mich eine Woche lang mit Hausmitteln und steckte anschließend noch weitere Mitbewohner und Arbeitskollegen im Büro an. Die Leichtigkeit der Ärztin im Krankenhaus hatte mich ganz schön überrascht und als im Frühjahr dann Corona Europa lahmlegte, musste ich oft daran denken, dass es im Krankenhaus scheinbar niemanden zu interessieren schien, dass ich Probleme beim Atmen und eine schmerzende Lunge hatte. Selbst wenn ich nur eine Lungenentzündung gehabt habe, hätte ich mich über Medikamente oder einer besseren Betreuung gefreut.
 
Daher verbrachte ich das komplette Frühjahr/Sommer in Deutschland und fuhr gar nicht weg. Ich liebe den Sommer in Deutschland und finde, es gibt hier superviele Gelegenheiten draußen aktiv zu sein. Ich war viel SUPen, Radfahren und wandern. Da ich sowieso lieber alleine oder zu zweit in der Natur bin, fühlte ich mich da auch nicht weiter eingeschränkt außerhalb der großen Städte, weil ich eh nicht der große Party-Trouble-Typ bin.

Wo waren die Unterschiede zu anderen Reisen aus anderen Jahren?

Wie gesagt habe ich dieses Jahr die Füße still gehalten und den Sommer komplett in Deutschland verbracht. Verglichen mit meinem verrückten Lifestyle der letzten Jahre, bei dem ich fast wie ein Rockstar unentwegt unterwegs war, stand dieses Jahr unter dem Stern inneren Reise. Was ich aber auch nicht schlimm fand, im Gegenteil. Persönliche Weiterentwicklung, Fokus auf neue Projekte und viel Zeit mit meiner Familie und Freunden sind genauso wichtig. Viele sind immer wieder erstaunt, dass ich so viel und gerne Zeit in Deutschland verbringe, aber für mich funktioniert das Reisen sowieso nur mit festen Wurzeln unter meinen Füßen.

Falls Du nicht verreist bist: Wie hast Du Deine Zeit zu Hause verbracht? Hast Du Dir für bestimmte Sachen besonders viel Zeit genommen oder etwas anders als sonst gemacht? Waren Deine Erfahrungen hierbei positiv/ negativ?

Ich bin jedes Wochenende in die Natur gefahren und habe mich an der frischen Luft ausgepowert. Zum einen stärkt dieses Verhalten das Immunsystem, zum anderen erdet mich die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur. Auch vor Corona verbrachte ich am liebsten meine Freizeit fernab der Großstadt und in diesem Sinne hat sich da für mich nicht so viel verändert.
 
Radfahren, Stand Up Paddle Boarding und viel schwimmen in den Seen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gehören für mich jeden Sommer dazu. Ebenso habe ich meine Zeit in Deutschland genutzt, um viel Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Gerade mit den Älteren in meiner Familie führte ich zunächst viele Telefongespräche und wir diskutierten, ob wir uns besuchen dürfen oder wollen. Und sogar meine 86-jährige Oma freute sich auf mich und viel gemeinsame Zeit.
 
Ich denke, Corona hat mir auch noch einmal gezeigt, dass mir Familie und Freundschaften wirklich sehr wichtig sind und gerade angesichts von Katastrophen ein wichtiger Faktor in meinem Leben.

Erzähle uns allgemein etwas über Deine Gedanken und Erfahrungen. Wie hast Du das Jahr für Dich erlebt im Zusammenhang mit dem Thema Reisen und wie siehst Du die Zukunft des Reisens bzw. auch die Zukunft Deines Blogs.

Das ist eine schwere Frage, wer kann schon in die Zukunft schauen…:-) Ich denke für mich persönlich, wird es weiterhin nichts Schöneres geben, als die warmen Monate im Sommer in Deutschland zu verbringen. Dabei entdecke ich immer wieder Neues und unglaublich schöne Ecken.