Frau vor dem Chicago Lake Michigan
Hi, ich bin Franzi – 32 Jahre alt und aus München. Aktuell arbeite ich als Reisebloggerin, freie Redakteurin und Flugbegleiterin. Auf meinem Blog www.coconut-sports.de schreibe ich über Reisen, Sport, Wellness und mein Leben als Flugbegleiterin und Vielfliegerin. Meine Art zu reisen: Aktiv, sportlich, abenteuerlich mit schönen Unterkünften und einigen Wellness- und Wohlfühlmomenten.

Meine Erfahrungen mit Reisen in Corona-Zeiten waren zum größten Teil sehr positiv.

Unser Interview mit Franzi von Coconut Sports

Bist Du dieses Jahr gereist? In welche Länder bist Du hierbei geflogen/ gefahren? Oder hast Du Deinen Urlaub in Deutschland verbracht? Wie sind Deine Erfahrungen dabei gewesen?

Obwohl ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, bin ich nach dem Lockdown doch noch ganz gut herumgekommen. Privat war ich seit den Grenzöffnungen in Kroatien, in Österreich, auf Kreta und in Italien. Außerdem habe ich ein paar schöne Orte in Deutschland besucht, die ich bisher noch nicht kannte.
 
In meinem Job als Flugbegleiterin arbeite ich aktuell nur auf Minimum, da die meisten unserer Flieger am Boden stehen. Trotzdem hat es mich in den letzten Monaten immerhin dreimal in die USA sowie nach Israel und an einige unserer europäischen Destinationen verschlagen.
 
Meine Erfahrungen mit Reisen in Corona-Zeiten waren zum größten Teil sehr positiv. Vor allem in Kroatien und Griechenland war es relativ leer, sodass Social Distancing und die notwendigen Hygiene-Maßnahmen problemlos möglich waren. Auch die Einheimischen haben sich über jeden einzelnen Gast riesig gefreut und waren vielleicht sogar noch einen Tick herzlicher als sonst. Wir haben uns jedenfalls überall sehr willkommen und gut aufgehoben gefühlt.
 
Ein bisschen beklemmend war die Zeit kurz nach dem Lockdown. In den kroatischen Städten waren die Straßen menschenleer, Hotels und Restaurants warteten verzweifelt auf Gäste. Wir haben so gut es ging versucht, unser Geld unter die Leute zu bringen – aber es war eben auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wo waren die Unterschiede zu anderen Reisen aus vorherigen Jahren?

In diesem Jahr ist mir noch einmal deutlich bewusst geworden, wie privilegiert wir in Deutschland eigentlich sind. Nur weil wir es gewohnt sind, immer und überall hin reisen zu können, kamen uns der Lockdown und die Grenzschließungen so unwirklich vor. Für Menschen in anderen Ländern ist es dagegen alles andere als normal, ohne Visum oder Aufenthaltserlaubnis eine Grenze zu überqueren.
 
Ich habe versucht, jede meiner Reisen noch bewusster zu erleben und zu genießen. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es für lange Zeit die letzte sein könnte. Auch meine Dienstreisen habe ich in vollen Zügen genossen. Denn in der Fliegerei gibt es leider keine sicheren Jobs mehr und die Zeit der regelmäßigen Layover an den schönsten Orten der Welt könnte schon nächstes Jahr zu Ende gehen.
 
Corona hat uns wirklich nicht viel Positives gebracht. Aber wenn ich eine Sache nennen müsste, wären es die tollen Fotos, die man aktuell ganz ohne Touristenmassen schießen kann. Dubrovnik ohne Kreuzfahrer, der menschenleere Münchner Marienplatz und einsame Strände in Griechenland – das waren schon kleine Highlights in dieser verrückten Zeit.

Falls Du nicht verreist bist: Wie hast Du Deine Zeit zu Hause verbracht? Hast Du Dir für bestimmte Sachen besonders viel Zeit genommen oder etwas anders als sonst gemacht? Waren Deine Erfahrungen hierbei positiv/ negativ?

Obwohl ich einige Reisen unternommen habe, habe ich aufgrund von Kurzarbeit auch sehr viel Zeit zu Hause verbracht. An die ersten Wochen im Lockdown habe ich eher negative Erinnerungen. Ich hatte Angst um meine beiden Jobs – denn sowohl die Zugriffszahlen auf meinem Blog als auch sämtliche Flugzeuge waren am Boden.
 
In dieser Zeit war ich oft nervös und habe mit Schlafstörungen gekämpft. Auf der anderen Seite habe ich es sehr genossen, jeden Tag Zeit für ein Home-Workout oder Yoga zu haben. Außerdem habe ich viel gekocht und gebacken und endlich die Energie gefunden, meine neue Wohnung fertig einzurichten und meinen Balkon komplett neu zu gestalten.
 
Nach dem Lockdown ging es steil bergauf. Das Wetter in München war ein Traum und nachdem ich sie so lange nicht gesehen hatte, habe ich unheimlich viel Zeit mit meinen Freunden an der Isar, in den Parks und im Biergarten verbracht. Und dann ging es ja auch schon wieder los mit dem Reisen.

Erzähle uns allgemein etwas über Deine Gedanken und Erfahrungen. Wie hast Du das Jahr für Dich erlebt im Zusammenhang mit dem Thema Reisen und wie siehst Du die Zukunft des Reisens bzw. auch die Zukunft Deines Blogs.

Das Jahr hat für mich unglaublich gut begonnen. Mein Blog lief super und meine Arbeit als Flugbegleiterin hat mir auch nach Jahren noch unheimlich viel Spaß gemacht. Umso härter war es mit anzusehen, wie beides fast zeitgleich den Bach runterging. Trotzdem fühle ich mich nach wie vor extrem privilegiert und bin mir bewusst, dass Kurzarbeitsgeld und eine so gute soziale Absicherung wie in Deutschland keine Selbstverständlichkeit sind.
 
Mit dem Blog geht es seit etwa Juli wieder aufwärts. Vor allem im Sommer sind die Zugriffszahlen extrem angestiegen und ich konnte viele tolle Projekte mit Kooperationspartnern umsetzen. Ob es auch den Winter über so bleibt, wird sich zeigen. Zur Sicherheit setze ich aktuell noch etwas mehr auf meine Freelancer-Tätigkeit und nehme unter anderem Aufträge als Texterin von Kunden an.
 
Gerade finde ich es wahnsinnig schwer, die Zukunft des Reisens in irgendeiner Form einzuschätzen. Sollte der riesige Glücksfall eintreten und die Pandemie besiegt werden, könnte ich mir vorstellen, dass alles wieder relativ schnell wie früher wird. Denn Menschen vergessen naturgemäß gerne und schnell – das hat der Urlaubs-Boom trotz Corona im Sommer mehr als deutlich gezeigt.
 
Sollte uns das Virus erhalten bleiben, werden wir wohl lernen müssen, mit ihm zu leben. Die Menschen würden dann wohl viel bewusster verreisen oder öfter mal zu Hause bleiben und auf Dienstreisen verzichten. Das hätte natürlich verheerende Auswirkungen auf die Reisebranche und würde für viele Unternehmen und Selbständige wohl das Aus bedeuten. Wie alles im Leben hat aber auch diese Medaille wieder zwei Seiten. Die Natur freut sich jedenfalls, dass sie gerade eine Verschnaufpause machen darf.