„Hygge“ ist das dänische Synonym für Gemütlichkeit und Glücklichsein und seit einigen Jahren in aller Munde. Was viele Hygge-Fans aber wahrscheinlich nicht wissen: Der Begriff stammt ursprünglich aus Norwegen. Dort pflegt man stattdessen eine ganz eigene Wohlfühl-Kultur, die zwar einige Parallelen zum „Hygge“ zeigt, aber noch viel weiter reichen soll. Das norwegische „Kos” ist ein Glücksmoment, den man erfährt, wenn man sich zugleich sicher, warm und gut fühlt. Es nimmt Einfluss auf nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens – auch auf die Gestaltung und Einrichtung des eigenen Zuhauses. Was Sie über die Lebensphilosophie des hohen Nordens wissen müssen und wie Sie Ihr eigenes Zuhause im Wohnstil „Kos“ einrichten können, erfahren Sie hier!

Norwegisches Hygge: Der Ursprung von Kos

Die internationale Aufmerksamkeit rund um das skandinavische Phänomen und Gefühl „Hygge“ ist mit Büchern wie „Das kleine Buch von Hygge. Die dänische Art, gut zu leben“ seit 2016 stark gestiegen. Obwohl die Welt diese Lebensart erst seit kurzem auch aufgreift, ist „Hygge“ in der dänischen Kultur schon lange tief verankert. Aber wussten Sie, dass der Begriff ursprünglich gar nicht aus dem dänischen, sondern aus dem norwegischen Sprachraum stammt? „Hygge“ ist abgeleitet von den altnordischen Wörtern „hyggja“ (denken) und „hugr“ (Mut), welche im Norwegischen so viel wie „Wohlbefinden“ bedeuten.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts tauchte „Hygge“ in der Schriftsprache Dänemarks auf und wuchs nach und nach zu einem wichtigen Bestandteil der dänischen Lebensweise. Natürlich wird auch in Norwegen dieses Wort im Alltag häufig verwendet, allerdings hat es in Dänemark weitaus mehr Gewicht. Es nimmt Einfluss auf nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens – auch auf die Einrichtung der eigenen vier Wände.

In puncto Wohlfühlen und Glücklichsein stehen die Norweger den Dänen jedoch in nichts nach. Auch sie belegen in den alljährlich veröffentlichten „Glücks-Rankings“ stets einen der vorderen Plätze. Ihr Glücks-Rezept hat jedoch einen anderen Namen: „Kos“, was wörtlich übersetzt für Fürsorge, Zusammengehörigkeit, Wärme, Freundlichkeit und Lachen steht. Tatsächlich aber noch für viel mehr!

Kos ist überall: Die Bedeutung des norwegischen Hygge

Auch wenn „Kos” aus nur drei Buchstaben besteht, ist es doch das wichtigste Wort in der norwegischen Sprache. Es gilt als Synonym für das Lebensgefühl einer ganzen Nation. „Kos“ könnte also ein Haus, eine Einrichtung, ein Abendessen oder ein Gespräch mit einer Person beschreiben. Es kann aber auch eine einfache Sache wie eine Tasse Kaffee oder frisch gebackene Zimtschnecken sein. Somit gilt das norwegische „Hygge“ als breiter gefächert als das dänische Gegenstück.

Gesprochen wird „Kos“ mit einem langen U („kuuuus“). Während das Wort „Hygge“ sprachlich eher unruhig und aufgeweckter daherkommt, spürt man bei der norwegischen Variante eindeutig schon mehr eine kuschelige Atmosphäre beim entspannt gehauchten „kuuuus“. Im Kopf stellen wir uns dabei sofort einen leichten Schneesturm, ein prasselndes Feuer, angezündete Kerzen und eine heiße Schokolade vor, deren Wärme über die Finger unser Herz zum Schmunzeln bringt. Wenn das nicht „koselig“ ist! Übrigens: Die norwegische Art der Erholung gibt es grammatikalisch an jede Lebenssituation angepasst – als Substantiv (kos), Adjektiv (koselig) und Verb (kose seg).

Fun Fact:

Die Spitze des „World Happiness Reports“ führen auch dieses Jahr wieder die Nordlichter an. Die skandinavischen Länder Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark zählen damit zu den glücklichsten Ländern der Welt. Und alle haben ihre eigene Gemütlichkeitsformel: Während die Finnen ihre „Sisu“, die Schweden ihr „Mys“ und die Dänen ihr „Hygge“ haben, haben die Norweger „Kos“!

Wohlfühlatmosphäre: Einrichten im Wohnstil Kos

Gerade in den kälteren Monaten oder an einem langen Sommerabend gibt es nichts Schöneres als eine „koselige“ Atmosphäre zu Hause. Auch bei Ihnen kann das norwegische Flair mithilfe von wenigen Handgriffen einziehen:

  • Indirekte Lichtquellen: In einer norwegischen Wohnung sieht man kaum ein grelles Deckenlicht. Stattdessen werden kleine Lampen benutzt, die ein warmes, indirektes Licht erzeugen. Generell schaltet man eher das Licht aus und kleine Lichtquellen an.
  • Kerzen für mehr Gemütlichkeit: Neben kleinen Lampen findet man in Norwegen häufig eine angezündete Kerze oder Holz in einem wärmenden Kamin flackern. Das sanfte Licht schafft eine gemütliche und kuschelige Atmosphäre, was allein schon für genügend „Kos“ bei den Norwegern sorgt.  Ob im Wohnzimmer, Badezimmer oder Schlafzimmer – Kerzen sind überall aufgestellt und bringen die „koselige“ Stimmung in jede Ecke.
  • Musik: „Kosemusik“ verzaubert jeden entspannten, gemütlichen Abend. Egal, ob man allein ist, mit Freunden oder der Familie: Norweger nutzen die Zeit beim Musikhören, um die Gedanken schweifen zu lassen, abzuschalten und sich zu entspannen.   
  • „Deilig“ Süßigkeiten: Leckere Süßigkeiten dürfen für das Wohlfühlprogramm ebenfalls nicht fehlen. Die Norweger essen nichts lieber als Schokolade, in Form von Luftschokolade oder mit einer salzigen Karamell-Füllung. Zwar legen sie auch einen großen Wert auf gesunde Ernährung, aber bei der dunklen Süßigkeit können sie nicht widerstehen. Denn bei „Kos“ dreht sich nun mal alles darum, sich gut zu fühlen und auf seine Bedürfnisse zu hören. Auch eine Schachtel Pralinen oder Zimtschnecken gehören zu den liebsten Naschereien der Norweger.
  • Heiße Getränke: Bei den kalten Temperaturen im hohen Norden ist es natürlich kein Wunder, dass hier besonders gerne zu einer heißen Schokolade, einem Tee oder Kaffee gegriffen wird. Besonders mit einem Topping wie Schlagsahne wird das Getränk zum „koseligen“ Moment.
  • Outdoor Zeit verbringen: Man könnte meinen, dass die Norweger ihre Zeit nur im Haus verbringen. Allerdings stimmt das nicht ganz, denn zu „Kos“ gehört auch, die Schönheit der Natur in vollen Zügen zu genießen. Lange Wanderungen oder Langlauftouren stehen auf dem Programm, um Zeit draußen zu verbringen. Und auch das schlechte Gewissen wegen der Tafel Schokolade vom Vorabend verpufft damit. Schuldgefühle haben allerdings bei „Kos“ so oder so keinen Platz!  

Räume im Kos Wohnstil

Soviel zu den kleinen Dingen, die die Atmosphäre bei Ihnen zu Hause „koseliger“ machen. Wie Sie die Gemütlichkeit und Glückseligkeit in Ihre Räume oder Outdoor-Plätze integrieren, sodass der Kos Wohnstil immer vorhanden ist, zeigen wir Ihnen nun:

Schlafzimmer im koseligen Look

Im Schlafzimmer verbringen wir die meiste Zeit. Grund genug, diesen Raum so gemütlich und kuschelig einzurichten, wie es nur geht! Weiche Materialien, die Wärme und Schutz versprühen, sorgen für den norwegischen „Hygge“ Moment. Kerzen und indirekte Lichter sind ebenso ein Must-Have wie eine Tasse frisch gebrühten Kaffee am frühen Morgen.  

Wohnzimmer mit Kos Charakter

Ein Kamin ist natürlich von Vorteil für die Wohlfühlatmosphäre im Wohnzimmer. Ebenso schön macht sich aber auch ein großes Windlicht mit mehreren dicken Kerzen in einer freien Ecke. Mit einem einladenden, großen Sofa und vielen flauschigen Decken und Kissen steht dem „Kos“ Wohnstil nichts mehr im Wege.

Norwegisches Hygge Lagerfeuer

Was Sie für das perfekte Lagerfeuer benötigen: eine Feuerschale, Kerzen, Decken, Kissen, bequeme Sessel, warme Getränke und Outdoor Lampen. Da bekommt man schon gleich ganz warme Glücksgedanken! Achten Sie beim Arrangieren unbedingt darauf, dass Sie sich wohlfühlen und lassen Sie genügend Platz zum Feuer. Ein Unfall würde dem „Kos“ ja nur entgegensteuern!

Der Unterschied zwischen dem Wohnstil Kos und Hygge

„Hygge“ und „Kos“ wirken von ihrem Grundgedanken her ziemlich gleich. Was die Einrichtung angeht, lassen sich dennoch Unterschiede erkennen, die die zwei Gemütlichkeitsformen voneinander trennen. Im Gegensatz zum neutralen, pastellfarbenen und schlichten Hygge-Stil zeigt sich der norwegische, durch „Kos“ beeinflusste Design- und Einrichtungsstil durchaus etwas bunter und vielfältiger.

Die Norweger gelten allgemein als äußerst naturverbunden, was angesichts der atemberaubenden Landschaften, mit denen dieses Land gesegnet ist, uns auch kaum verwundert. Die Liebe zur Natur prägt nicht nur die Lebensweise der Menschen, sondern auch ihr Verständnis von Ästhetik und Design. Von der Natur inspirierte Formen, geschwungene Linien, kräftige Farben und Licht nehmen im norwegischen Design daher häufig einen wichtigen Platz ein.

Und obwohl Norwegen als sehr modern und fortschrittlich gilt, wird Tradition und Langlebigkeit großgeschrieben, weshalb man diese Elemente auch in der Einrichtung wiederfindet. Auch das typisch skandinavische Prinzip „Qualität statt Quantität“ und Nachhaltigkeit spielen hier eine wichtige Rolle. 

Der Wohnstil Kos – damals und heute

Erstmals in den 1950er Jahren wurde der Begriff „skandinavisches Design“ geprägt. Vor allem dänische und schwedische Designer reisten damals durch die Welt, um ihre von Minimalismus und Funktionalität beeinflussten Produkte zu präsentieren. Norwegische Designer wie z.B. Jac Jacobsen bewegten sich hingegen eher im Hintergrund und ihre Designs waren zunächst nicht so sehr gefragt.

Der positive Effekt dahinter ist allerdings: Die heutige norwegische Designgeneration kann sich viel freier ausdrücken und mehr experimentieren, ohne dabei den Legenden des Landes gerecht werden zu müssen. Ein einheitliches norwegisches Design lässt sich daher kaum definieren. Und doch folgen viele angesagte norwegische Designer der Gegenwart einer gemeinsamen Linie: dem ausgeprägten Verständnis von Freiheit, Einfachheit, Unberührtheit und Identität, welches sich auch im „Kos“ wiederfindet!